III.11. Quer durch das Mittelalter


III.11.1 Kulturtor Spanien
III.11.2 Raub- und Kreuzzüge
III.11.3 Totentanz und Teufelswerk
III.11.4 Anhänge
III.11.4.1 Daten zu Spanien und Islam III.11.4.2 Rohrblattinstrumente in den "Cantigas de Santa Mariaa" III.11.4.3 Kreuzzüge und verwandte Unternehmen III.11.4.4 Totentänze mit Schalmeidarstellungen


III.11.1 Kulturtor Spanien

"Um punkt zwölf an jedem Sonntag morgen ertönt auf dem Platz vor der Kathedrale in Barcelona ein heller Flötenton; das Flabiol, ein Flagiolett signalisiert den Beginn der sardana. Männer, Frauen und Kinder jeden Alters, jeder sozialen Schicht, formieren sich zu kleineren und grösseren Kreisen, legen ihre Mäntel und Taschen in die Mitte und fassen sich bei den Händen. Für den unwissenden Zuschauer beginnt nun ein verwirrender Taktwechsel zwischen 6/8 und 3/4, der von den Tanzenden mit zwei verschiedenen Schritten, dem Passos Curts, kurzen und Passos Llargs, langen Schritten abwechselnd begleitet wird. Man bewegt sich im Kreis seitwärts vor und zurück, mit erhobenen Armen, steigert sich am Ende des Tanzes von anfänglich leicht wippenden Fussbewegungen zu immer schneller und höher werdenden Hüpfern, bis die Sardana-Melodie plötzlich abbricht. Jedesmal wenn nach einer Pause die Flabiol neu einsetzt, gefolgt von den beiden Tenors (einer Art Oboe), nimmt man einander wieder bei den Händen und bildet beliebig viele dieser Kreise auf dem geräumigen Kathedralenvorplatz ... Für die Katalanen ist dieser Tanz seit jeher eine Demonstration für die kulturelle Unabhängigkeit ihrer Region gewesen. Wenn sie tanzen, protestieren sie gemeinsam für eine freie kulturelle Entfaltung und politische Eigenständigkeit ... Die Sardana ist so sehr Ausdruck des katalanischen Zusammengehörigkeitsgefühles, dass das Franco-Regime nach dem Bürgerkrieg glaubte, diesen Tanz verbieten zu müssen. Das gelang nicht, und so wird bis heute auf allen Plätzen in den Dörfern und Städten Kataloniens das ganze Jahr über die Sardana getanzt." (Rürup, o. J., S.92)
Derart wird der Tourist informiert, und er kann, wenn er sich sonntags nicht am Strand in der Sonne braten lässt, bei der eindrucksvollen musikalisch-tänzerischen Unabhängigkeits­demonstration dabei sein. Ist er nicht in islamischen Ländern gereist, so wird ihm kaum bewusst, dass der Kreistanz im ganzen islamischen Kulturraum zu jedem Fest gehört, meist von Männern allein oder von Männern und Frauen getrennt getanzt.

Noch weniger aber wird er den unverwechselbaren Klang der Oboeninstrumente, den er sonst nie zu hören bekommt, mit dem Aulos des griechischen, der Tibia des römischen Weltreiches und mit den Vosoben islamischer Länder in Beziehung bringen. Von den Oboen, welche der obenstehende Text erwähnt, ist die grössere und tieferklingende, in B gestimmte, die Tenora; die deutlich kleinere, in F gestimmt und eine Quart höher, die Tiple. Beide Instrumente sind mit einem Klappensystem modernisiert. Das Rohrblatt liegt nach Spieltechnik und Klang zwischen den im islamischen Raum gebräuchlichen Blättern und demjenigen der modernen Oboe. Ein naher Verwandter dieser beiden Instrumente ist das Klarinetteninstrument Taragoto in Ungarn. Auf den Stufen der Kathedrale Barcelonas spielt jede Woche ein anderes Orchester, eine andere "Cobla". Handzettel und kleine Plakate verkünden, welche Cobla die Ehre hat.



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Sardana tanzen und Cobla in Barcelona







Weit über fünfzig Cobles zählt der – selbstverständlich in Katalanisch abgefasste – Katalog, der Orchesterformationen auf, welche das Departement de cultura della Generalitat de Cataluña 1987 herausgegeben hat. Viele klingenden Namen der Orte dieser selbständigen Region Spaniens sind vertreten und die Aufnahmen zeigen alle sorgfältig gekleidete Herren ihre Instrumente spielend oder sie in die Kamera lächelnd vor sich haltend.

Die Cobla ist die eine Formation katalanischen Nationalensembles. Ihre mit Abstand wichtigste, nahezu ausschliessliche Aufgabe ist es, zur Sardana aufzuspielen, so wie in den Schweizeralpen Ländlerkapellen für den Vostanz zuständig sind. Sie besteht aus elf Instrumenten, wobei neben den Schalmeien das genannte Flabiol, die Einhandflöte, die es erlaubt mit der anderen Hand eine Trommel zu schlagen, charakteristischstes Instrument ist. Sowohl die Diskantschalmei (Tiple) wie die Tenorschalmei (Tenora) ist doppelt vertreten, dazu kommen zwei Kornette oder Trompeten, zwei Tenorhörner, Posaune und Kontrabass. Die Hauptstimme obliegt den Tenorschalmeien. Ihr dynamischer Umfang, vom piano zum fortissimo "übersteigt bei weiten den jedes anderen Holzblasinstrumentes"; so steht es in keinem geringeren Werk als im "Grove" (Sadie, 1987c, S. 370).

Einer der berühmten Instrumentenhersteller ist Vater Pardo in Bisbal, auf halbem Wege zwischen der Küste und Gerona, etwa gleich weit von Barcelona im Süden wie vom französischen Perpignan im Norden entfernt. Zweifelnd haben wir uns vor dem Eingang des Geschäftes, an das wir gewiesen wurden, umgesehen. Wir standen in dem kleinen Ort vor einem eleganten, grossen Laden für Schmuck und Uhren, der nur durch eine Sicherheitsschleuse mit zwei Glastüren betreten werden konnte. Unsicher sahen wir uns im Geschäft um, in dem weit und breit kein Musikinstrument zu sehen war. Aber mit grösster Selbstverständlichkeit wurden wir auf unsere Frage nach den Instrumenten durch eine schmale, kaum sichtbare Türe in der Wand geleitet und die Kellertreppe hinunter in das Untergeschoss geführt. Hier konnten wir uns in der Unterwelt eines Dionysos wähnen. An den Wänden hinter verschlossenen und gesicherten Glasschränken standen und lagen eine Vielzahl eleganter Instrumente aller Grössen. Dieser Raum ist die mit modernsten Drehbänken und anderen Maschinen ausgestattete Werkstatt, in der die Wunderwerke der Tradition und Technik hergestellt werden. Der Instrumentenbauer hat auch einen eigenen Mechanismus zum Festhalten der Blätter (Ins 40.05) entworfen. Er ist ein elegant gekleideter Herr, der sich seiner besonderen Bedeutung bewusst ist. Die Schätze, die hier an Instrumenten liegen, übertreffen an Wert wahrscheinlich die Gold-, Schmucksachen des oberen Geschosses. Während die Gralla (siehe unten), die über keine technische Finesse verfügt für einige hundert SFR zu haben ist, klettern die Preise bei den Klappeninstrumenten rasch in die Tausender. Edle Instrumente sind auch in führenden Musikgeschäften erhältlich, in der katalanischen Hauptstadt Barcelona etwa in der Casa Paramòn.

Die Volksmusik Kataloniens, soweit sie nicht für den Sardana-Tanz bestimmt ist, stützt sich auf ein weiteres Schalmeiinstrument, die Gralla, eine Vosoboe, die sich nur unwesentlich von den Instrumenten unterscheidet, wie sie in Nordafrika und Ägypten, in der Türkei und in anderen Ländern des antiken und islamischen Kulturraumes gebräuchlich sind. Sie ist ein naher Verwandter der Vosoboe der Provinzen Valencia und Aragón im Norden und Westen Kataloniens, und – etwas entfernter – der Vosoboen im angrenzenden Südfrankreich und hat nahe europäische Verwandte, sowohl in der Bombarde der Bretagne wie der Ciaramella Italiens .

Während Tenora und Tiple durch Klappenmechanik modernisierte Instrumente sind, hat die Gralla ihre ursprüngliche Form bewahrt. Sie ist für die Katalanen ein Symbol der Eigenständigkeit. Man kann sie fast etwa so selbstverständlich spielen lernen, wie in Mitteleuropa die Blockflöte, gestützt auf ein einfach geschriebenes Lehrbuch. Dabei ist das Rohrblatt der Gralla keineswegs einfach zu beherrschen, wenn vielleicht auch etwas leichter als jenes der Oboe.

Instrumentenformationen, welche Gralla spielen, bestehen zur Hauptsache aus mehreren gleichen Instrumenten und Trommeln. Sie sind bei allen Vosfesten Kataloniens unentbehrlich. Der oben genannte Katalog zählt neben den Cobles über 40 Grallers-Formationen aus allen kata­lanischen Regionen auf. Von den Spielern wird erwartet, dass sie so exakt spielen, wie in Mitteleuropa ein Blockflötenorchester und die individuelle Variabilität der Klanggestaltung, die den Schalmeien im islamischen Raum nicht nur zugestanden wird, sondern als besondere Verzierungskunst eigen ist, hat in der Orchesterformation kaum Platz.

Die Bedeutung der Schalmeiinstrumente für diese Region Spaniens hat historische Gründe.

Die Bezeichnung Katalonien entstand aus der Verbindung der Namen der Goten und Alanen, die in der Vöerwanderung aus dem Norden kommend sich in der Landschaft niederliessen, welche im Norden von den Pyrenäen, im Osten und Südosten vom Mittelmeer und durch Aragón im Westen begrenzt ist. Zwischen Spanien und Frankreich fand eine Sonderentwicklung statt, mit eigener Sprache, dem Katalanisch, das dem provinzalischen verwandt ist, mit einem starken kulturellen und politischen Selbstbewusstsein.

Die Geschichte Kataloniens beginnt mit der Geschichte europäischer Kultur im Mittelmeerraum. Die einhei­mische kelt-iberische Bevöerung unterhielt Handelsbeziehungen mit der phönikischen Flotte. Griechische Einwanderer besiedelten die Mittelmeerküste und 235 v. u. Z. wurde es von Karthago, der auf die Phöniker zurückgehenden Seemacht, erobert. 229 v. u. Z. erhielten die Römer durch einen Vertrag die Oberhoheit und kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung wurde die römische Provinz Tarraconensis geschaffen, nach der die südlich Barcelona gelegene Stadt Tarragona an der Goldküste, der Costa dorada, ihren Namen trägt.

Es gehörte im 4. Jahrhundert zu Westrom, bevor Alanen und Westgoten es eroberten. Touristen aus dem Norden, die sich heute an dieser und anderen Küsten Spaniens niederlassen, geben sich kaum Rechenschaft darüber, dass sie die Vöerwanderungs- und Eroberungsroute ihrer wilden Vorfahren einschlagen. Die Region hiess Goth-Alania, als die Araber sie 712 eroberten. Ende des gleichen Jahrhunderts wurden sie von den Franken vertrieben. Nach dem Tode Karls des Grossen und dem Zerfall des Karolingerreichs bestand unter fränkischer Oberhoheit eine faktisch unabhängige Grafschaft Barcelona. Katalonien ging Verbindungen ein mit Aragón. Im 13. Jahrhundert erfolgte die französische Invasion.

Katalanische Söldner dienten als eigene Kompanie nicht nur in Italien, sondern auch in Byzanz und Griechenland, was die Beziehung zum Orient zweifellos erneuert hat. Katalonien blieb auch nach dem Mittelalter im Spannungsfeld zwischen Kastilien und Aragón einerseits sowie Frankreich andererseits, wurde mehr als einmal von Frankreich erobert, ehe die katalanische Autonomie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wieder auflebte.

Im spanischen Bürgerkrieg ergriff Katalonien, zwischen 1936 und 1939, für die Republik Partei und wurde durch Nationalisten erobert. Es blieb ein Zentrum der Opposition gegen das Francoregime, war gegen dessen Ende besonders aktiv und erhielt 1979 ein Autonomiestatut mit eigener Regierung.

Die Geschichte der Region lehrt, dass sie seit der frühen Antike mit den wichtigen Kulturen der Schalmei, mit Griechen, Römern und zuvor Phönikern eng verbunden war, an der islamischen Kultur Spaniens teil hatte und andererseits wichtige Kulturkontakte nach Westen in das Innere Spaniens und nach Norden zu Frankreich entwickelte. Dadurch ist Katalonien sowohl zu einer Art Tresor der Schalmeimusik, wie zu einer Drehscheibe nach Norden und in das Landesinnere geworden. Es ist geschichtlich konsequent, wenn die Schalmei zum Nationalinstrument ernannt wurde, aber es ist vielleicht auch kein Zufall, dass in Touristenführern und ähnlicher allgemei­ner Literatur diese Zusammenhänge oft kaum oder nur sehr am Rand erwähnt werden. Denn die Eigenwilligkeit Kataloniens passt schlecht zur nationalstaatlichen Politik, welche die Grenzen lieber am grünen Tisch als an gewachsenen Traditionen bestimmt.

Fast ebenso verwurzelt, wenn auch nicht von der gleich zentralen Bedeutung als Nationalinstrument, ist die Schalmei in der südlich angrenzenden Region Valencia. Sie hat eine stärker konisch betonte und etwas andere Form als die Gralla. Auch die Dulzaina war in Valencia im Instrumentengeschäft erhältlich, wenn auch etwas weniger selbstverständlich als die Gralla in Barcelona.

Valencia ist eine römische Gründung (138 v. u. Z.), wurde dann westgotisch und anfangs des 8. Jahrhunderts islamisch. Die Provinz kam ins Emirat und Kalifat von Cordoba und war im 11. Jahrhundert ein unabhängiges maurisches Königreich. El-Cid, der spanische Nationalheld eroberte Valencia 1094 und hielt es tapfer einige Jahre, bevor es die islamischen Machthaber zurückgewannen. Auch hier wechselten Aragón und die Franzosen in der Herrschaft ab. Im spanischen Bürgerkrieg wurde es Hauptstadt der Republikaner von 1936 bis 1939.

Ähnlich wechselvoll wie sein nördlicher Nachbar ist Valencia stärker mit der islamischen Geschichte Spaniens verbunden. Dies mag ein Grund dafür sein, dass die Dulzaina den im Islam gebräuchlichen, stärker konisch gebauten Instrumenten ähnlicher ist, als die Gralla Kataloniens, die von der Form her unmittelbarer an die Instrumente des alten Rom anschliesst, so sehr, dass zwischen manchen heutigen Instrumenten und jenem, das im Wandbild einer römischen Villa von einer Musikantin gehalten wird, kaum ein Unterschied besteht, weder in der Form der Spielröhre, noch im Doppelrohrblatt.

Bei den engen geschichtlichen Beziehungen der Küstenregionen zum Inland ist es selbstver­ständlich, dass die Instrumente auch dort Fuss gefasst haben. In Zaragoza, das unter Augustus römische Veteranenkolonie war, ebenfalls dem Kalifat von Cordoba angehörte und über 300 Jahre Hauptstadt des einst mächtigen Aragóns war, war das Instrument ebenso beheimatet und erlebt in jüngster Zeit eine gewisse Renaissance, besonders im Zusammenhang mit bestimmten Vosfesten. Es ist aber auch das Instrument der Hahnenwettkämpfe und privater Feste. Auch in Navarra, der hauptsächlich von Basken bewohnten nordspanischen Provinz ist die Schalmei noch in Gebrauch. Überhaupt haben Schalmeiinstrumente und insbesondere die Vosoboen in verschiedenen Regionen Spaniens eine wichtige Rolle im einheimischen Instrumentarium gespielt . Nirgends aber erlebte das Instrument eine so mächtige Erneuerung, wie in Katalonien.

Sprachlich etwas abweichend wird im "Grove" (Sadie, 1987a) als Dolzaina eine historische Form des Instrumentes bezeichnet, die ausser in Spanien auch in Frankreich und den Niederlanden des 14. Jahrhunderts in Gebrauch war. Ein Hinweis findet sich auch in einer Instrumentenliste Heinrich VIII. in England im 16. Jahrhundert, in dem das Instrument unter diesem Namen auch in italienischen Quellen genannt wird. Mit Recht weist Boydell im "Grove" (Sadie, 1987, S. 583) darauf hin, dass es ein Missverständnis ist, wenn unter dem Namen Dolzaina ein Windkapselinstrument verstanden wird.
Weitere Namensbezeichnungen (z.B. Xirimia) kommen weiter unten zur Sprache.


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Oboen aus Katalonien, Valencia, Aragon




Die Geschichte Kataloniens und Valencias ist in den Kontext der Geschichte der Musik und des Islam in Spanien eingebunden, die in manchem an die griechisch-römische Antike anknüpfen und die Musikkultur in Europa auf den Weg gebracht haben. Wie sonst nirgends in Europa hat auf der iberischen Halbinsel, dem einst fernen Westen der Antike, eine Synthese zwischen der Musikkultur des Islam und anderen kulturellen Wurzeln stattgefunden, mit Auswirkungen nicht nur in Europa, sondern über spanische und portugiesische Eroberungen auch auf Mittel- und Südamerika.

Daten zur Geschichte des Islam in Spanien, wie sie die Übersicht im Anhang zusammen­stellt, sind wenig anschaulich. Besser verständlich werden die historischen Zusammenhänge an einem lokalen Beispiel: Valencia hat zur 750-Jahrfeier seine frühe und islamische Geschichte in Erinnerung gerufen und auf regionalen Karten den Anschluss an das römische Strassennetz dargestellt, die Via Augusta, die Rom mit Cádiz verband; auf einer anderen Karte ist der Weg eingezeichnet, auf dem der karthagische Feldherr Hannibal mit seinen Elefanten gezogen war.

Im Festkatalog (Generalitat Valenciana (ed.), 1989) sind Gebäude abgebildet, die Reste arabischer Mauern enthalten sowie eine Karte mit gegen 30 Orten der Region, die arabischen Ursprungs sind (S.25). Für unser Thema ist aber vor allem ein Objekt dieser Ausstellung von Bedeutung: Der aus dem frühen Mittelalter stammende Taufstein von Xativa, unbekannter Herkunft, aber im Stil der Kunst der Kalifats von Cordoba verwandt und vermutlich in die Zeit des Zerfalls der Omaijaden-Dynastie zu datieren. Auf ihm ist auch ein Oboenspieler abgebildet. Bei aller nachstehend skizzierten Bedeutung des Islams für die Geschichte Spaniens und die europäische Musikentwicklung darf man nicht übersehen, dass sowohl der Islam an das griechisch-römische Kulturerbe, dass durch die Vöerwanderung erschüttert und weitgehend zerstört worden war, anknüpfen konnte, als auch semitische Kultureinflüsse schon früher in Spanien Wurzeln geschlagen hatten. Noch vor den Römern und Griechen tauchten die Phöniker von der syrischen und tunesischen Küste in Spanien auf und knüpften Handels- und Kulturbeziehungen. Im römischen Reich etablierten sich zudem zahlreiche jüdische Kolonien, die ihre Tradition mit sich brachten und bewahrten , sodass biblischer Monotheismus und semitische Kultur bereits im Land vertreten waren, vor der Christianisierung bzw. den arabisch-islamischen Eroberungen.

Die islamisierten Berber, die mit ihrem Feldherr Tarik Ibn Ziad* 711 in Spanien einfielen, bahnten zwar der späteren islamischen Kultur den Weg, hatten aber selbst kulturell noch wenig beizutragen.

Der semitische Einfluss wurde unterstützt durch ein syrisches Heer, das 742 durch einen Berberaufstand in Nordafrika gezwungen wurde, nach Spanien auszuweichen und sich dort niederliess. Noch entscheidender für die Entwicklung war die Flucht des letzten der Omaijaden, der 755 in Spanien landete. Er, dessen Name "Knecht des Barmherzigen" bedeutet, betrachtete sich als den rechtmässigen Erben des omaijadischen Kalifats, das von den Abbasiden, die Bagdad anstelle von Damaskus zur Hauptstadt machten, abgelöst wurde. Seine abenteuerliche Geschichte zeigt die enge Verknüpfung Spaniens mit dem östlichen Ende des Mittelmeeres. Auf der Flucht vor seinen abbassidischen Verfolgern schwamm er durch den Euphrat, während seine jüngerer Bruder aus Angst vor den Fluten umgekehrt war und enthauptet wurde. Abd Ar-Rhamhn* floh westwärts bis Tunesien, wo er sich fünf Jahre versteckt hielt, ging dann zu Berberstämmen und sandte schliesslich von Marokko aus einen Untertanen nach Spanien, der dort eine Anzahl ehemaliger Kunden der Omaijaden für ihn gewinnen sollte, bevor er ihm nach­folgte. Er wird von arabischen Chronisten als ebenso gütig wie tatkräftig beschrieben, sein Sohn wird nahezu als ein Heiliger geschildert. Die Araber betrachteten sich als Adel, der nicht nur den zum Islam übergetretenen Einheimischen, sondern auch den Berbern überlegen war. Das blieb nicht ohne schwere Spannungen. Abd Al-Rhamhn*, der Dritte, ein genialer Staatsmann und erfolgreicher Feldherr, löste in Nordafrika die an die Macht gekommenen Fatimiden ab und drängte die im Norden stark gewordenen christlichen Königreiche zurück, 929 gab er sich den Titel eines Kalifen mit der Hauptstadt Cordoba. Damit beginnt die Blütezeit der arabisch-islamischen Kultur in Al-Andalus. Abd Al-Rhamhn* Beinamen war "der Helfer"; er betrachtete sich als der rechtsgültige Stellvertreter des Propheten. (Burckhardt, 1970, S. 38ff.). Von ihm wird erzählt: Eine Gesandtschaft von spanischen Christen aus dem Norden war gekommen, um mit dem Kalifen zu verhandeln. Dieser wollte sie mit Furcht erfüllen, in dem er ihnen die Herrlichkeit seines Königtums vor Augen führte. Er liess deshalb vom Stadt­tor Cordobas bis zum Tor von Medinat* Az-Zara, auf einer Strecke von einer Parasange (etwa 51/2 km) zu beiden Seiten des Weges eine doppelte Reihe von Soldaten aufstellen, die ihre blanken, breiten und zugleich langen Schwerter so emporhielten, dass sie sich mit den Spitzen wie die Baen eines Daches berührten. Auf Befehl des Herrschers wurden die Gesandten durch diese doppelte Reihe von Soldaten wie durch einen gedeckten Gang hindurchgeführt. Die Furcht, die ihnen dieses Gepränge einflösste, ist unbeschreiblich. So gelangten sie zum Tor von Medinat* Az-Zara. Von diesem Tor bis zu dem Ort, wo der Empfang beim Herrscher stattfinden sollte, hatte der Kalif den Boden mit Brokatstoffen bedecken lassen – an bestimmten Stellen aber liess er Würdenträger Platz nehmen, die man für Könige halten konnten, denn sie sassen auf prachtvollen Stühlen und waren in Seide und Brokat gekleidet. Jedes Mal, wenn die Gesandten einen dieser Würdenträger sahen, warfen sie sich vor ihm nieder, da sie ihn für den Kalifen hielten. Da wurde ihnen gesagt: "Erhebt euer Haupt! Das ist nur ein Knecht von seinen Knechten!"

Endlich gelangten sie in einen Hof, dessen Boden mit Sand bestreut war. In seiner Mitte war der Kalif. Er trug grobe und kurze Kleider; alles was er an sich hatte, war nicht mehr als vier dierhem wert. Er sass auf der Erde und hielt den Kopf vornüber geneigt. Vor ihm war ein Koran, ein Schwert und ein Feuer. Das ist der Herrscher wurde den Gesandten gesagt, die sich niederwarfen. Er erhob das Gesicht in ihre Richtung, und noch ehe sie fähig waren einen Ton von sich zu geben, sagte er zu ihnen: "Gott hat uns befohlen, oh ihr Leute, euch aufzufordern, dass ihr euch dem da unterwerft." Mit diesen Worten zeigte er ihnen den Koran. Wenn ihr euch weigert, werden wir euch damit zwingen, er wies auf das Schwert – und wenn wir euch töten, so kommt ihr dahin! Und er zeigte ihnen das Feuer. Die Gesandten waren vom Schrecken ergriffen. Auf Befehl des Kalifen führte man sie weg bevor sie noch irgend etwas sagen konnten. In der Folge unterzeichneten sie den Friedensver­trag mit allen Bedingungen, die der Herrscher aufgestellt hatte." Den unter seiner staatlichen Obhut lebenden Christen gab der Islam ein Gastrecht. Er war damals keineswegs fanatisch und der König wusste Andersgläubige zu schätzen und verstand sich gut mit christlichen Mönchen. Von der engen Beziehung zwischen der jüdischen und islamischen Bevöerung wird noch zu reden sein.

Die grosse Moschee von Cordoba, heute Anziehungspunkt für Touristen, war im 10. Jahrhundert das Zentrum einer Stadt, die mehr als eine Million Einwohner zählte. Zwei Wegstunden im Westen lag die Residenzstadt von Abd Al-Rhamhn* des Dritten, die oben genannte Medinat* Az-Zara, im Osten wurde noch kurz vor Ende des Kalifats eine eigene Verwaltungsstadt gegründet; dort hatten die Kalifen ihren Sommerpalast. Die zentrale Moschee, die Freitagsmoschee, war das Zentrum nicht nur der Religion, sondern auch der Wissenschaft und in ihr wurde Gericht gehalten. Lehrer unterrichteten, die im islamischen Reich gereist waren, Arabien, Syrien und Ägypten besucht hatten; sie unterrichteten arabische Sprache und Rechtskunde und in einem eigens dafür bestimmten Teil hielt der oberste Richter von Cordoba Gerichtssitzungen ab.
Zur geistigen Grösse der maurischen Kultur in Spanien schreibt Burckhardt (1970): "gehört das friedliche Zusammenleben moslemischer, christlicher und jüdischer Gemeinden unter arabischer Herrschaft" (S.25). "Für sie waren das Judentum und das Christentum nicht einfach fremde Religionen, die unerwartet und störend in ihre Glaubenswelt eingedrungen waren, so wie der Islam für Juden und Christen ein blosses Ärgernis darstellte, etwas, das es gar nicht geben sollte; Judentum und Christentum nahmen im islamischen Denken, das auf den Koran fusste, einen bestimmten Platz ein. Denn der Islam stellt sich als die Erneuerung oder das Wieder-Aufrichten der ursprünglichen abrahamischen Religion dar, der Religion, die gewissermassen den Stamm des Baumes bildet, von dem Judentum und Christentum als Äste abzweigen. Er will nichts anderes verkünden als das, was man die abrahamische Urlehre, die Grundlage aller monotheistischen Religionen nennen kann: Den Glauben an den einen unbedingten Gott, der einerseits in seinem Wesen unvergleichlich und über alles erhaben ist, und andererseits sich immerzu offenbart, sowohl in der Welt, die er erschaffen, als auch durch die heiligen Botschaften, die er von Zeit zu Zeit und seit dem Bestehen der Menschheit durch seine "Gesandten und Propheten" den Vöern mitteilt. Abraham, Moses, Christus und Mohammed gehören zu diesen Gesandten und Propheten; der letztere "besiegelt" die schier endlose Reihe der göttlichen Boten damit, dass er das Wesen des Prophetentum als solches in seiner zeitlosen Gültigkeit verkündet ... Diese grundsätzliche religiöse Toleranz schliesst natürlich nicht aus, dass islamische Regime in der realen Politik nicht ebenso unduldsam und grausam mit Andersgläubigen verfuhren, wie die Fanatiker des Christentums und anderer Religionen" (S. 117). Wie stark der Austausch mit dem Orient war, zeigt die Tatsache, dass schon 839 zwischen Cordoba und Byzanz Gesandtschaften ausgetauscht worden waren. Wie sehr der Einfluss auch nach Norden reicht, belegt die Tatsache, dass sich 890 die Araber in der Provence festsetzten und Raubzüge sogar bis in die Ostschweiz unternahmen. 997 wurde auch das christ­liche Santiago de Compostela eingenommen, das in der Geschichte der christlichen Wallfahrt eine besondere Stellung hat und bis heute Pilger aus ganz Europa anzieht. 1030 endet das spanische Kalifat, eine Karte aus der Zeit danach, um 1060, zeigt die Ausdehnung der ihm nachfolgenden maurischen Fürstenhäuser von der Mittelmeerküste zum Atlantik und von Zaragoza bis nach Gibraltar.

Vom Anfang des 11. Jahrhundert stammt ein Elfenbeinkästchen aus Andalusien, das inmitten reicher Ornamente einen Doppelschalmeispieler zeigt. Farmer (1989), der diese Abbildung veröffentlicht, schreibt dazu: "Das Bild, das uns vom Musikleben im mittelalterlichen Spanien vermittelt wird, ist auffallend bunt und differenziert. Häuser und Strassen waren voller Musik, nicht nur an den anerkannten Tagen häuslicher Freude, wie Geburt, Beschneidung und Hochzeit, sondern auch im Alltagsleben bei der Arbeit" (S. 47). Ein arabischer Autor berichtet von einem Reisenden, der im Jahre 1015 in Andalusien Musikinstrumente hörte, darunter auch das Rohrblattinstrument Mizmar*.
Aber die Spuren des Weges von der islamischen zur mittelalterlichen und europäischen Musik, von der anschliessend die Rede sein soll, sind spärlich und schwer zu entziffern. Das liegt auch daran, dass Kardinal Ximenes 1492 die Verbrennung eines wesentlichen Teiles der Handschriften aus dem Bereich der arabischen Literatur und Musik veranlasste und für die Vernichtung von mindestens 80000 Bänden persönlich verantwortlich ist!

Doch zurück zu den Anfängen. Sie sind mit dem Namen eines einzelnen – bereits früher genannten – genialen Musikers, der in die Geschichte eingegangen ist, verbunden, mit Abu-L-Hassàn Ali Ibn Nafi, geboren im Jahre 789 in Mesopotamien, dem heutigen Irak und bekannt geworden unter seinem Künstlernamen Zirjab, als "schwarzgefiederter Vogel". Er war Schüler des am Hof von Bagdad berühmten Isahaq Al-Mawsili, den er aber bald sosehr in den Schatten stellte, dass der in Bagdad residierende persische Herrscher Harun* Ar-Raschid* (786-809), dessen Weisheit und Glanz noch in den Geschichten von 1001 Nacht erwähnt wird, ihn zu sich bat, um ihm vorzusingen. Möglicherweise war es die Rivalität mit seinem Lehrer, die ihn veran­lasste, auszuwandern.


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Reiseroute des Zirjab (Ziryab) von Baghdad nach Iberien

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Zijab, (Ziryab), Wichtiger Begründer der andalusische Kultur und Musik

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Zirjab (Ziryab)





Noch unterwegs erreichte ihn die Nachricht, dass der Herrscher, der ihn gerufen hatte, verstorben war. Aber dessen Sohn, Abd Ar-Rhaman* der Zweite, liess ihn wissen, indem er ihm grossartige Geschenke sandte, dass er nach wie vor in Cordoba wilommen war. Dort traf er 822 ein, im Alter von wenig über 30 Jahre und wirkte bis zu seinem Tod im Jahre 857. Seine Ausstrahlung betraf nicht nur die Musik, sondern er vermittelte nach Cordoba die persische Kultur und Geschmack, brachte wie gesagt Musikantinnen und Tänzerinnen mit und gab in der vornehmen Gesellschaft, die er die feinen Sitten lehrte, den Ton an. In seinem angestammten Beruf der Musik wird er von seinen Biographen als genialer Erneuerer geschildert. Er schuf ein Konservatorium in dem die andalusische Musik entstand und erfand technische Neuerungen, wie eine zusätzliche fünfte Saite der Laute, und er führt den Gebrauch des Plektums beim Lautenspiel ein.

Zirjab hat nicht unmittelbar mit der Schalmeimusik zu tun. Aber er ist der wichtigste Vertreter der arabischen Wurzel der andalusischen Musik, einer Wurzel auch der Sängerkulturen des Mittelalters, der Ministrels, Troubadoure, Trouvères und Minnesänger, die sich oft von Spielleuten, unter denen sich Schalmeimusiker befanden, begleiten liessen; die von Zirjab eingeführte Musik bildet ferner, zusammen mit der jüdischen Musik, der einheimischen Kreativität und der Musikalität später einwandernder Roma, eine Wurzel des Flamenco, der uns noch beschäftigen wird .

Perkuhn (1976), die sich mit dem Thema eingehend beschäftigt hat, schreibt "die Frage nach dem arabischen Einfluss auf die europäische Musik des Mittelalters kann nur auf interdiszip­linärem Weg erarbeitet werden" (S. 9). Sie spielt damit insbesondere auf die Musikethnologie an, die sich erst in diesem Jahrhundert entwickelt hat und bisher bei der Frage historischer kultureller Beziehungen noch wenig berücksichtigt wurde.

Der Vergleich der Schalmeiinstrumente, wie sie heute noch in ihren Rückzugsgebieten Europas, in Südosteuropa, Italien, Frankreich und Spanien gebaut und gespielt werden, einerseits mit Instrumenten, die im islamischen Kulturraum, von Nordafrika bis Indonesien heute noch in Gebrauch sind, andererseits mit den Instrumenten auf mittelalterlichen Darstellungen lässt kaum einen Zweifel daran, dass nicht nur einzelne Gemeinsamkeiten bestehen, sondern dass es sich um die gleiche Kultur der Blasmusik handelt, selbstverständlich mit regionalen Variationen. Massgebliche Differenzen sind aber innerhalb des islamischen Kulturraumes, beispielsweise zwischen Nordafrika und Indien, keineswegs geringer als zwischen westeuropäischen Ländern auf der einen, islamischen Ländern auf der anderen Seite. Die in den verschiedenen Kapiteln dieses Buches dargestellten Zusammenhänge, lassen sich im Hinblick auf Spanien folgendermassen zusammenfassen:

Aufgrund der Kenntnis der Antike ist hinreichend belegt, dass die gesamte eurasische Schalmeikultur in der römisch-griechischen Antike eine gemeinsame Wurzeln hat, auch wenn damit keineswegs gesagt ist, dass nicht davon unabhängig in Asien oder andernorts ebenfalls Schalmeiinstrumente entstanden und regionale Entwicklun­gen schon früh eigene Wege gingen. Die Frage, ob es sich um die Ausbreitung der Schalmeien von einem Punkt handelt, oder um eine parallele Entwicklung mit mehreren Ausgangspunkten scheint mir wie schon früher gesagt inadäquat. Das eine ist so gut wie das andere anzunehmen, wobei aber der von uns an anderer Stelle dieses Buches dargelegte, sehr frühe Kulturaustausch zu berücksichtigen ist.

Von Westeuropa bis Ostasien zieht sich ein geographischer "Schalmeigürtel", der den gesamten Mittelmeerraum, den Vorderen und Mittleren Orient, Indien, Südostasien, Indonesien, Teile Chinas und Japan umfasst, zu dessen Südrand, der Meeresküste von Indonesien bis Arabien, gehört auch die Südostküste Afrikas.
Im Inneren Afrikas, nördlich von Zentralasien und nördlich der Pyrenäen und der mitteleuropäischen Alpen dürfte nach allen zur Verfügung stehenden Belegen die Instrumente aus dem Mittelmeerraum übernommen worden sein, wahrscheinlich bereits ein erstes Mal zur Zeit der Römer. Aufgrund der Kontakte mit dem Islam in Spanien, der Konfrontationen mit dem Vorderen Orient während der Kreuzzüge und den Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich ist auch in Mittel- und Nordeuropa die antike Schalmeikultur reaktiviert und am Leben gehalten worden. Dabei gingen wichtige Impulse für Europa nicht nur vom islamischen Spanien, sondern auch vom islamischen Sizilien aus, wo arabische Einwanderer durch die Einführung von Zitrone, Maulbeerbaum (für lokale Seidenraupenzucht), Dattelpalmen, Baumwolle, Zuckerrohr und Papyrusstaude eine ökonomische Entwick­lung ins Leben gerufen hatten und von wo normannische Fürsten, die vom Ende des 11. Jahrhunderts an in Süditalien die Macht eroberten, kulturelle Impulse, Verwaltungssystem und Wissenschaftsbetrieb übernahmen.

Über die Brückenköpfe Sizilien und den Südosten Iberiens gelangten kunsthandwerkliche Techniken, literarische Themen und dichterische Formen der arabischen Welt zusammen mit wissenschaftlichen Kenntnissen und musi­kalischen Impulsen nach Europa. Insbesondere erfuhr auch die Wissenschaft, die im Westen ganz in den Händen des Klerus lag, ihre entscheidenden Anregungen durch die wenig orthodoxen islamischen Wissenschafter wie Al-Farabi*, Ibn Sina* ud Ibn-Rus. Die islamische Kultur vor allem, seit ihr Zentrum Bagdad geworden war, erlebte kulturelle Ausweitungen und Ergänzungen durch griechisches, christlich-syrisches, persisches und zentral­asiatisches Gedanken- und Kulturgut. Persien, Indien und das östliche und südliche Mittelmeer waren durch den Welthandel verbunden. Über die Bazare von Antiocheia, Alexandria, Damaskus, Kairo und Bagdad gelangten Luxusgüter in alle Welt, Essenzen, Edelsteine, Seide, Brokat, Gewürze, Bernstein, Elfenbein, Korallen, Perlen, Neen, Zimt, Pfeffer, Muskatnuss und Safran, Weihrauch und Moschus, Musseline, Satin, Schmuck in Gold und Silber, Einlegearbeiten, Gläser und Spiegel, Keramik und Lederwaren, im Gefolge der arabischen Expansion und nicht zuletzt auch durch die Kreuzzüge. In diesen Handel einbezogen waren neben Spanien, Venedig, Pisa, Genua und Neapel, Brescia und Cremona, Salerno und Palermo. Die Luxusgüter, welche Gesandte aus dem Norden kennenlernten, machten später den Prunk und Stolz, die Wohlhabenheit der westlichen Oberschicht aus.

In Spanien traten innerhalb des Islam verhältnismässig früh Gegensätze zwischen Arabern und Berbern und zwischen rivalisierenden Clans und Stämmen auf. Nach der Diktatur Al-Mansoùrs und dem Ende der Kalifenherr­schaft radikalisierten sich die Gegensätze zwischen Mohammedanern und Christen mit Religionsverfolgungen, Bücherverbrennungen und der Zerstörung des christlichen Sanktuariums von Santiago de Compostela. Mit dem Tod des Diktators zerbrach die letzte politische Einheit des arabischen Spaniens und die christlichen Fürsten des spanischen Nordens nutzten die geschwächte militiärische Position und eroberten das bis dahin islamische Toledo, das neben Cordoba politischer und kultureller Mittelpunkt des islamischen Spanien gewesen war. Die von den islamischen Herrschern zu Hilfe gerufenen Berberdynastien der Almoraviden und später der Almohaden, die eine religionstreue Lebensart pflegten, gerieten in Konflikt mit dem mehr diesseitigen und gesellschaftlich raffinierten spanisch-arabischen Lebensstil. Die Niederlage, welche die vereinigten christlichen Armeen aus Aragón, Navarra, Portugal und Kastilien den Arabern zufügten, war vielleicht die grösste, die der Islam im Verlauf seiner Geschichte erlebte. Die Ehe Ferdinand von Aragóns und Isabella von Kastiliens schuf eine christlich-spanische Grossmacht, die intolerant und grausam gegen Andersgläubige, gegen Mauren und Juden vorging. Gegen Ende der islamischen Präsenz in Spanien suchten tausende von spanischen Arabern Zuflucht in Nordafrika und brachten andalusisches Kulturgut zurück an die nordafrikanische Küste.

Die geistige Kultur des arabischen Spanien war durch den Wechsel von orthodoxen und toleranten Strömungen gegenüber sinnlichen Erfahrungen und der Lebensfreude gekennzeich­net. Die gleiche Polarität entwickelte sich auch im christlichen Norden. Für die Wissenschaften, die Kunst und die verfeinerte Lebensgewohnheit hat jedoch das islamische Spanien und seine Reaktivierung der Antike die entscheidenden Grundlagen gelegt.


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Spanien: Alter Taufstein mit Schameimusiker


Auch wenn im einzelnen die Spuren der Musik, die aus dem islamischen in den christlichen Kulturbereich führen, undeutlich sind, so stammen doch zweifellos bestimmte wichtige allge­meine Grundlagen aus dem islamischen Spanien. Dazu zählt zunächst, dass durch die verfeinerte Kunst im Gefolge der Beeinflussung durch Zirjab, die Polarisierung zwischen der Vosmusik auf der einen und der auf der höfischen Musik aufbauenden auf der anderen Seite, wesentlich begünstigt wurde. Eine späte Folge davon ist die heutige Spaltung der Musikwelt in klassische Musik und Unterhaltungsmusik, in E (für "ernste") und U-Musik, die erst in den letzten Jahren da und dort überbrückt wird. Die Schalmeien wurden, vor allem in Folge der im Islam und im Christentum durch die Orthodoxie gleichermassen ausgesprochenen Ächtung, sozial entwertet. Damit wurden auch die Schalmeimusiker gesellschaftlich an den Rand gedrängt. Die hochstehende arabische Dichtung und ihre Vertonung hingegen haben die Oberschicht erobert. Ein arabischer Reisender mit Namen Ahmad-Al-Yamani* berichtet aus der Zeit des Unterganges des omaijadischen Kalifats von Cordoba, 1016/17: "Ich befand mich im Jahre 407 der Hidjra (islamische Zeitrechnung) in Málaga und da ich dort für lange Zeit erkrankte, sah ich mich gezwungen, zu Hause zu bleiben. Zwei Gefährten, die mit mir zusammenwohnten, versorgten mich mit Nahrung. Es kam nun vor, dass mit dem Einbruch der Nacht meine Schlaflosigkeit zunahm, während in der ganzen Umgebung, aus allen Richtungen die Klänge von Lauten, Trommeln und Harfen mit Gesang vermischt erschollen, was mich ärgerte und meine Unruhe und mein Leiden verstärkte. Schliesslich wurden meine Empfindlichkeit und meine Abscheu für all jene Stimmen so gross, dass ich eine Wohnung suchte, wo ich weder die eine "noch die andere" zu hören brauchte. Es war unmöglich, eine solche Wohnung zu finden, wegen des allgemeinen Brauchs der Einwohner jener Gegend, die Nächte mit Musik zu verbringen.

Eines Nachts als ich nach kurzem Schlummer wach lag, geschah es, dass jene lästigen Stimmen und das aufreizende Geklimper schwiegen, während sich auf einmal eine geheimnisvolle, verhaltene und wonnige Musik vernehmen liess, wie ich ihresgleichen noch nie gehört hatte. Es war, als ruhte meine Seele in ihr aus, ohne etwas von dem Widerwillen zu spüren, den alle andere Musik in mir erweckt hatte. Keine Stimme begleitete das Spiel. Die Melodie begann langsam anzusteigen, während mein Ohr, mein Geist ihr folgten, bis sie die äusserste Fülle des Klangs erreichte; dennoch fand ich daran einen solchen Gefallen, dass ich meine Schmerzen vergass und von Freude und süsser Erregung erfüllt wurde. Ich hatte den Eindruck, dass der Boden der Wohnung, in der ich lag, emporgehoben werde und die Mauern um mich her bebten. Dabei vernahm ich keinerlei Stimme. Da sagte ich zu mir: "Was für eine unübertreffliche Musik! Wer weiss, was für eine Stimme der Spieler haben mag und wo er solcherweisen spielt!" Kaum hatte ich das gesagt, begann eine Frau zu singen, mit einer Stimme, die heller leuchtete, als die Blumen nach dem Regen und süsser war als die Frische der Umarmung für den von Liebe brennenden. Ich konnte mich schliesslich nicht mehr zurückhalten und stand auf. Meine beiden Freunde schliefen. Ich öffnete die Türe und folgte der Stimme, die nahe klang. Von meinem Haus aus entdeckte ich eine weitläufige Wohnung, in deren Mitte sich ein Garten befand. Mitten darin war eine Gesellschaft von etwa zwanzig Männern versammelt, die in Reihen da sassen, mit Getränken und Früchten in den Händen. Vor ihnen standen Sklavinnen mit Lauten, Tambourinen, Flöten (möglicherweise Schalmeien? Anmerkung Herzka) und anderen Instrumenten, auf denen sie aber nicht spielten. Die Sklavin, die ich gehört hatte, sass gesondert, mit der Laute in ihrem Schosse. Alle Anwesenden hatten ihre Blicke auf sie gerichtet und hörten ihr aufmerksam zu, während sie sang und spielte.
Ich befand mich an einem Ort, wo ich das alles sehen konnte, ohne selbst gesehen zu werden, und so oft die Sklavin einen Vers sang, prägte ich ihn meinem Gedächtnis ein. Nach dem sie aber ein paar Strophen vorgetragen hatte, schwieg sie. Ich kehrte auf mein Lager zurück, als wäre ich – Gott ist mein Zeuge – von einer bedrückenden Last befreit und geheilt von allem Leiden ... " (Burckhardt, 1970, S.95).
Dieser Text ist aus verschiedenen Gründen für unser Thema von Belang: Zunächst zeigt er die deutliche Trennung zwischen der allgemeinen Vosmusik und der edlen Musik, welche der Autor macht. Dann enthält der letzte Satz einen Hinweis auf die heilende Wirkung der Musik, die der Medizin des Mittelalters vertraut war. Schliesslich spricht daraus auch die Bewunderung für die Frauenstimme und für die Frau, deren romantische Verehrung der Islam an das Rittertum des christlichen Mittelalters weitergab.

Eine ähnliche Szene haben wir übrigens anlässlich eines Gesangsvortrags an einer Hochzeit in Pakistan erlebt, wo die berühmte Sängerin mit ihren Balladen, die gleiche Faszination ausübte, eine Faszination wie sie auch im Westen den grossen Stars der Unterhaltungsmusik und Oper eigen ist.

Dass jene in ihrer Struktur charakteristisch gefärbte Form der Beziehung zwischen Mann und Frau, die man als ritterliche Liebe bezeichnet, ihren Ursprung im Islam hat, ist für die Musik insofern von Bedeutung, als sich daraus die Frauenverehrung im Minnesang und die europäische Liedkunst ableitet. Damit verbunden ist auch die Marienverehrung, die seit dem Mittelalter in der christlichen Kirche ihren festen Platz hat und die ihre frühesten Wurzeln bereits in den Kulten der Muttergottheit der Antike besitzt. Frauenverehrung erfolgt oft in Form der Musik; davon zeugen die Skizzen italienischer Pifferari, die vor Marienbilder spielen ebenso , wie die banale Tatsache, dass für den Empfang der Freundin eine geeignete Schallplatte in den modernen Plattenspieler geschoben wird. Titus Burckhardt charakterisiert die islamische Ritterlichkeit wie folgt: "Einerseits ist die Frau dem göttlichen Ursprung ferner als der Mann, denn sie ist nach ihm erschaffen worden und schaut ihrer Natur nach zu ihm auf; andererseits aber offenbart sich dem Mann im Spiegel ihres Wesens das, was ihn selber übersteigt. Denn dadurch dass die Frau den Mann an sein ursprüngliches, aus Gott stammendes Sein erinnert, ist sie für ihn der Spiegel Gottes. Das ist der höchste Sinn der Frauenliebe. Letzten Endes quillt sie aus der Liebe, die Gott zu seinem Abbild im Menschen hat.

Der geistig vollkommene Mann, sagt Ibn´ Arabi*, liebt die Frau nicht aus blosser Leidenschaft; er liebt sie, weil er in ihr ein Abbild Gottes sieht. Man kann Gott an sich, in seiner alle Formen und alle Kundgebungen übersteigenden Wesenheit nicht "schauen"; man kann ihn wohl in einer gewissen, unaussprechlichen Weise erkennen; "schauen" jedoch kann man ihn nur mittelbar, in einem Sinnbild; das volommenste Sinnbild Gottes aber ist der Mensch in seiner adamischen Ganzheit, und weil der Mann diese Ganzheit durch die Frau wiederfindet, ist sie für ihn das volommenste Sinnbild Gottes." (Burckhardt, 1970, S. 113)

Überall in der islamischen Welt gab es Bruderschaften, die man als eine Art Ritterorden betrach­ten kann, und die mehr oder weniger von der Mystik befruchtet waren, wie dies ähnlich auch bei den christlichen Ritterorden der Fall ist. Dazu gehörte Edelmut und Freigebigkeit, die für die Araber stets gleichbedeutend mit wahrem Adel gewesen ist. Zu dieser Freigebigkeit des Herzens gehört die Liebe. "Die Liebe und das edle Herz sind ein und dasselbe" sagt in der Folge dieser Tradition auch Dante.
Im christlichen Mittelalter wird diese Liebe besonders auch der heiligen Jungfrau Maria entge­gengebracht. Ferdinand III von Spanien und König Alphons der Weise, ein grosser Vermittler arabischer Bildung an das christliche Abendland, haben an die Jungfrau Maria gerichtete Cantigas, Gesänge in Versform, sammeln und illustrieren lassen. Die Bilder sind allgemein für die Musikgeschichte und speziell die Instrumentengeschichte, auch für diejenige der Schalmei sehr aussagekräftig.


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Jedes der Marienlieder erzählt ein der Jungfrau Maria zugeschriebenes Wunder, Alfons, oder ein Mitglied seiner Familie seien bei deren 23 selbst Zeugen gewesen. Die Orte dieser Ereignisse liegen zwischen Syrien und Schottland und geben allein schon einen Einblick in den Raum, in dem die kulturellen Begegnungen jener Zeit statt fanden. Der Text ist durch die Troubadours beeinflusst worden und der spanische Arabist Ribera hat darin arabische Versformen und Rhythmenmodelle erkannt. Die im 13. Jahrhundert entstandenen Gesänge sind in einer hoch entwickelten Form der Notation aufgezeichnet, aus der sich die Rhythmik der Melodien rekonstruieren lässt.
Diese Cantigas sind eine wichtige frühe europäische Quelle für die mittelalterlichen Rohrblatt­instrumente: Von den dreissig abgebildeten Instrumenten sind mehr als ein Drittel Rohrblatt­instrumente (vgl. Anhang). Drei der Miniaturen zeigen Oboeninstrumente. Auf einem Bild wird ein Sänger begleitet. Zur Begleitung würde sich der Klang eines grossen Blattes besonders gut eignen. Zwei weitere Abbildungen geben deutlich Doppelrohrblattinstrumente wieder. Auf der einen sind zwei Spieler dargestellt, von denen derjenige links im Bild, aufgrund der Stellung seiner Finger vermutlich den Bordunton spielt. Der gespannte Gesichtsausdruck beider Spieler und ihr Blickkontakt lassen vermuten, dass auch der Spieler des Borduns mit Variationen oder eigenen Melodiepassagen in den Verlauf des Instrumentalspieles einfällt. Einen solchen Einsatz konnten wir beispielsweise bei unseren Beobachtungen im Industal hören. Jedenfalls haben wir es hier mit der klassischen Paarbildung im Spiel des Doppelrohrblattinstrumentes zu tun. Auf einer der drei Abbildungen findet der birnenförmige Schalltrichter des Instrumentes seine Fortsetzung in den heutigen Instrumenten der Oboe d'amore, kommt aber auch bei den Vosoboen am Südrand der Sahara vor, wo er aus einem entsprechend gewachsenen Kürbis hergestellt wird.

Die dritte der Abbildungen zeigt ein grosses, gebogenes Instrument, das man nach seiner Form und aus heutiger Sicht nicht als Rohrblattinstrument, sondern als Trompete oder Horn bezeich­nen würde. Hörner mit Spiellöchern sind aus verschiedenen, insbesondere afrikanischen Kulturen bekannt. Die Länge des Instrumentes, nicht aber seine konische Form und sein breiter Durchmesser, erinnern an die langen Oboen Südindiens und die Tempeloboen des Tibet. Man könnte das Instrument als Trompetenoboe bezeichnen und es stellt sich die Frage, ob solche Instrumente nicht sowohl als Trompeten, wie als Oboen mit entsprechenden Blättern gespielt worden sind. Ein entsprechendes Phänomen findet sich jedenfalls bei den einfachen Rindenoboen, die in der Bauweise kaum von Rindenhörnern abweichen. (Ein Erbe dieser Rindeninstrumente ist das heutige Alphorn). Mit anderen Worten stellt sich – nicht zum ersten Mal – die Frage der Polivalenz eines Instrumentes, wie schon beim "Klangrohr", dem Aulos der Antike.

Bei dieser Frage der Polivalenz ist die frühe Beschreibung eines Instrumentes durch Ibn Haldùn von besonderem Interesse. Der alle wichtigen Instrumente des Maghreb schildert und schreibt: "Eines der besten Blasinstrumente ist das Bùq*. Dieses Bùq* ist ein hohes, kupfernes Instrument von der Länge einer Elle. Es weitet sich in Richtung auf die Öffnung, deren Durchmesser weniger als die Breite einer Handfläche misst. Man bläst hinein, mittels eines kleinen Rohrblattes, welches die Luft vom Mund in das Instrument befördert. Der Klang kommt dröhnend und laut heraus. Es hat auch einige Grifflöcher und einen schönen Ton von angenehmer Wirkung, der hervorgerufen wird, indem man die Finger (auf die Löcher) setzt. Der Begriff des Bùq* und der Instrumentenname Al Bùq* ist bereits in vorislamischer Zeit als Oberbegriff für Instrumente der Horn- und Trompetenfamilie belegt. Es gibt auch wichtige Hinweise darauf, dass auch im arabischen Spanien das Instrument in diesem Sinne bekannt war. Andererseits beschreibt Ibn Haldun ein Rohrblattinstrument. Daraus ergibt sich, dass das gleiche Instrument sowohl als Mitglied der Trompetenfamilie, wie der Oboenfamilie angesehen werden kann und, sei es je nach lokalem Gebrauch, oder nach der entsprechenden Epoche, mit oder ohne Rohrblatt geblasen werden konnte.

Eigene Versuche haben ergeben, dass arabische Trompeten mit geeigneten Blättern einen guten Klangcharakter haben.
Perkuhn folgert auf einen sprachlichen Bedeutungswandel des Instrumentennamens bzw. des Instrumentes. Es scheint mir aber ebenso möglich, dass es sich nicht um einen zeitlichen oder regionalen Sprachwandel, sondern um eine mehrfache Verwendungsmöglichkeit je nach Kontext handelt. Wie schwierig es ist Instrumentenbezeichnungen in der Literatur mit den tatsächlichen Instrumenten in Einklang zu bringen, zeigen die recht verwirrlichen Begriffsverhältnisse im iberisch-nordafrikanischen Raum.

Die Instrumentenbezeichnung Cheremia oder Xeremia ist erstmals 1461 in einer spanischen Chronik nachweis­bar. Die spanische Sprachforschung kennt noch die beiden verwandten Bezeichnungen Caramillo und Churumbela. Zu Beginn des 14. Jahrhundert wird der erste diese beiden Begriffe in Zusammenhang mit dem Klarinetteninstrument Albogue gebracht. Auch Cervantes, der Dichter des Don Quijote beschreibt eine Szene aus dem Hirtenleben, in der Caramillo und Zampoña zusammen gespielt wurden. Bei dieser handelt es sich vermut­lich um einen Dudelsack, der heute noch in Süditalien so genannt wird. Im Portugiesischen findet sich als Bezeichnung der Schalmei, Charamella, die in Süditalien Ciaramella heisst. In Galizien und im Baskenland sind die Formen Churumela und Xaramel üblich.
Auf Ibiza gibt es eine zylindrische Klarinette mit vier Grifflöchern und einem Daumenloch, die als Xeremia bezeichnet wird. Die Bezeichnung Chirimia gelangte über die spanischen Eroberer auch nach Südamerika, wo sie heute generell die Doppeloboe bezeichnet. In einigen Gegenden spricht man auch von der Chirimia morisca.
Somit wird in Süd- und Mittelamerika die Bezeichnung Chirimia, die Xeremia geschrieben wird, auf die Oboen angewendet, während auf Ibiza darunter eine Klarinette verstanden wird. Die gedoppelte Klarinette heisst Reclam de Xeremias. An diesem Begriff von Cheremia zeigt sich einmal mehr, wie das gleiche Wort je nach Region und Zeitabschnitt verschiedenartige Instrumente bezeichnen kann.

Die Doppelarinetten von Ibiza sind mit jenen in Ägypten und Nordafrika identisch, die als Zummara* bezeich­net werden. Bei der Klarinettenzunge spricht man aber vom Zummara*typus nur dann, wenn die Zunge auf der Mundseite des Instrumentes festgemacht und auf der dem Mund abgewendeten Seite beweglich ist. Ist umgekehrt die Zunge gegen den Mund hin frei schwingend, so spricht man vom Mashura-Typus.

Auch die Instrumentenbezeichnung Ghaita erscheint erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Dass sowohl die Oboe, wie der Dudelsack mit dem gleichen Wort belegt wird, ist weiter nicht erstaunlich, kann man doch die Oboe auch als Dudelsackpfeife betrachten und eine Dudelsackpfeife auch einzeln als Oboe, resp. Klarinette spielen. Die Verwendung des Begriffes Ghaita belegt, dass die Instrumentenbezeichnungen sich mehr auf den Klang als auf die Struktur des Instrumentes beziehen. Ghaita kann auch ein Instrument mit einer Aufschlagszunge, also vom Klarinettentyp bezeichnen, als solches ist es etwa 60 km nördlich von Madrid bei den Hirten von Lacabrera in Gebrauch. Die Ghaita ist dem als Alboka bezeichneten Instrument der baskischen Hirten sehr ähnlich. Dieses besteht aus zwei zylindrischen parallelen Spielröhren, die aus Vogenochen hergestellt und dann Kanak genannt werden. Die Alboka wiederum steht in Beziehung mit dem arabischen Instrument Al-Buq*.
Das Wort Ghaita wird in Nordafrika auch als Raita verwendet, worunter wiederum sowohl eine Oboe wie ein Dudelsack verstanden werden kann, je nach regionalem Gebrauch. In Afrika ist durch den Einbezug des arabischen Artikels al der Begriff Alghaita entstanden

Das ausgedehnte Verkehrsnetz in Europa, das dieses auch mit dem gesamten Mittelmeerraum verband, die politischen und militärischen Beziehungen und Konfrontationen und die Wanderbewegung, die sie nicht nur für die Soldaten und ihre Angehörigen, sondern auch für Teile der Bevölkerung mit sich brachten, müssen dazu geführt haben, dass auch Schalmeiinstrumente verschiedenster Art in alle Richtungen gewandert sind, sich getroffen und vermischt haben.

Die Frage wie sie, und insbesondere die Oboen des Mittelalters, ausgesehen haben, beantwortet David Munrow (1986) in dem er traditionelle Oboen abbildet, wie sie dieses Buch enthält aus Ägypten, der Türkei und Marokko, sowie gedoppelte und einfache Klarinetten aus Griechen­land, Ibiza und sogar Finnland. Diese Abbildungen werden ergänzt durch eine Windkapsel­oboe, das welsche pibercorn und eine baskische doppelte Hornpfeife; bei dieser ist am unteren, sowie am mundseitigen Ende je ein Horn angesetzt. Das eine dient als Windkapsel zum Hineinblasen, das andere als Schalltrichter. Das klangerzeugende Rohrblatt wird versenkt eingesetzt und statt das Rohrblatt direkt in den Mund zu nehmen, bläst der Spieler in das Horn, so dass das Rohrblatt zu schwingen beginnt. Dazu bildet der gleiche Autor auch noch Dudelsackpfeifen aus Spanien und Bulgarien ab.

Was das Aussehen der Instrumente betrifft, so ist der Auffassung von Munrow zuzustimmen, dass die heute in den verschiedenen Kulturen noch hergestellten und gespielten Oboen den­jenigen entsprechen, die auf mittelalterlichen Abbildungen zu sehen sind. Nur war vermut­lich die Bandbreite der im Mittelalter gebrauchten Instrumenten in jeder Hinsicht sehr gross. Es ist plausibel anzunehmen, dass es viel mehr Varianten gab, als uns aus den verhältnismässig doch begrenzten Abbildungen überliefert ist. Aber auch schon diese zeigen eine Vielfalt, von sehr langen und damit auch pathetisch und tief klingenden Oboen, zu kurzen, hellen Instrumenten. Die ersteren eignen sich für Zeremonien und Prozessionen, die letzteren zur Unterhaltung und als Tanzinstrumente. Auf den Abbildungen findet man dünne und schlanke Instrumente, aber auch relativ plumpe von recht grossem Durchmesser. Noch wichtiger ist, dass es sowohl ziemlich zylindrisch aussehende wie auch ausgeprägt konische Instrumente abgebildet gibt. Da anzunehmen ist, dass auch verschiedene Rohrblätter, aus unterschiedlichen Materialien und in unterschiedlicher Form zum Einsatz gelangten, so ergibt sich eine grosse Klangvielfalt. Diese dürfte etwa so vielfältig gewesen sein, wie alle in diesem Buch abgebildeten Instrumente zusammen.

Das der Philosophie des Islam eigene Weltbild, auf das wir hier nicht eingehen können, unter dessen starkem Einfluss aber Spanien und mit ihm das frühe Europa stand, denkt die Geisteswelt in konzentrischen Kreisen. Dieses Kreisbild kann man verschieden lesen. Im Zentrum kann der göttliche Ursprung und der Geist stehen, nach aussen gefolgt vom Verstand, der Vorstellungskraft, dem Gemeinsinn und zu äusserst die sinnliche Wahrnehmung. Aber auch die umgekehrte Reihenfolge ist möglich. Dann ist der umfassendste äusserste Kreis das Geistige und im Zentrum steht der leibliche Mensch. Dieser scheinbare Widerspruch einer Rangordnung lässt sich auf dem Hintergrund der Dialogik verstehen, nach der zwei sich wider­sprechende und ausschliessende Auffassungen, gleichzeitig und gleichwertig zusammenge­hören und erst beide gemeinsam eine ganze Wahrheit ergeben. Je nach dem Standort des Beobachters, der Betrachtungsweise, je nach der gedanklich zu lösenden Aufgabe und einer Situation hat die eine oder andere Auffassung Gültigkeit. Diese wechselseitige Schichtung, die immer auch eine gewisse Rangordnung bedeutet, ist mit eine Erklärung dafür, dass sich sowohl im Islam, wie in den durch ihn beeinflussten Musiktraditionen nicht ausschliesslich die gehobene, vergeistigte Musik oder die sinnliche und leibesnahe Unterhaltungsmusik entwickelt und gehalten haben, sondern beide aufeinander bezogen und miteinander, als ein notwendiges Widerspruchspaar. Von Spanien hat die in engem Austausch mit dem Islam und dem Judentum entwickelte Geisteshaltung der Kultur und speziell der Musik gegenüber, auf ganz Europa ausgestrahlt. In Spanien entspringt ein Grundstrom mittelalterlicher und europäischer Musikkultur, von dem noch weiter die Rede sein wird .


III.11.2 Raub- und Kreuzzüge

Troubadours, Trouvères, Minnesänger, Meistersinger, Spielleute aller Art und wandernde jüdische Musikanten und mit ihnen die Musik waren unterwegs durchs Mittelalter. Die Kreuzritter setzten sich zu ihren Schreckenszügen in Bewegung, die Turkvöer und die Mongolen drangen aus dem Osten nach Europa, in dem eine ebenso komplizierte wie bewegte Geschichte beginnt, in deren Verlauf sich Frankreich und Deutschland im Westen, Polen und Russland im Osten in der Vormachtstellung abwechseln. In diesem Zeitraum haben sich auch die Schalmeien überall in Europa bis an die Nordsee verbreitet.

Nach der Vöerwanderung gelang es zuerst den Franken in zwei Eroberungsphasen den lateinischen Westen teil­weise politisch zusammenzufassen. Das Frankenreich wurde prägend für die Herausbildung des Feudalismus im frühmittelalterlichen Europa. Karl Martell gelang die Abwehr der Araber, Karl dem Grossen eine Konsolidierung im Innern durch Gesetzgebung und Münzreform, sowie eine Expansion nach allen Seiten. In einer karolingischen Renaissance griffen die Franken auf römische Tradition zurück und verbanden sich mit dem Papst, der in der römischen Kirche die Erinnerung an die Antike und die Latinität durch die Wirren der Vöerwanderung bewahrt hatte. Symbolisiert wurde diese Allianz von Papst und Kaiser durch die Krönung Karls des Grossen in Rom. Sein Reich wurde das erneuerte Imperium romanum, ein Ideal des späten Mittelalters (Geiss, 1989, S. 190/191).

Der konfrontative Kontakt mit dem Orient erfolgte, ausser mit dem Islam in Spanien , auch mit den Sarazenen, Arabern aus der Gegend um Karthago, dem heutigen Tunis in Nordafrika. Sie eroberten zunächst Kreta, dann Sizilien und Sardinien, setzten sich in Unteritalien und Korsika im frühen 9. Jahrhundert fest, griffen Rom an und gewannen gegen Ende des 9. Jahrhunderts in Phraxinetum (in der Provence) einen befestigten Stützpunkt, von dem aus sie Italien und das Frankenreich im Süden mit Raubzügen bis zur heutigen Schweiz nahezu ein Jahrhundert lang terrorisieren konnten.

Was dieser Stützpunkt in Frankreich für die Musik und die Schalmeigeschichte bedeutet, wissen wir nicht. Besser bekannt ist die Übernahme sarazenischen mit arabischen Kulturerbes in Süditalen durch die Normannen unter Friedrich Barbarossa . Der Zerfall des Karolingerreiches gehört zu den grundlegenden Vorgängen des Mittelalters. Als seine Spaltprodukte, Westfranken (Francia) und Ostfranken, entstanden die Königreiche Frankreich und Deutschland.

Die Deutschen wurden vorübergehend zur stärksten Macht im lateinischen Westen, in einer Mittelstellung zwischen dem Kalifat von Cordoba im Westen und Byzanz im Osten. Bis zu Beginn des 13. Jahrhunderts übernahmen sie die Führung der römischen Christenheit.

Um das Jahr Tausend schälte sich ein neues europäisches Wirtschaftssystem heraus mit zwei grossen Zentren: Das eine bestand in Oberitalien bis zur Toscana (mit Florenz) und stand in Bezug zur römischen Tradition und im Handelsaustausch mit dem Orient. Ein zweites Zentrum entstand neu in den Niederlanden. Es beruhte auf der Bearbeitung von Metall in Wallonien und ging auf keltische Ursprünge zurück, sowie auf Verarbeitungstraditionen von Wolle in Flandern. Zwischen beiden Zentren wurde der Verbindungsweg über Rhein und Rhône und die Champagne hergestellt, später gewannen die Alpenpässe, der Brenner und St. Gotthard an Bedeutung.
Einen neuen Aufschwung nahm der Mittelmeerhandel, insbesondere durch die zwischen Byzanz und Venedig bestehenden Verbindungen. Venedig strahlte so sehr nach Norden aus, dass in Mailand ein neues Zentrum gewerblicher Produktion und später auch des Fernhandels entstand.

Für diesen waren jüdische Bevöerungsgruppen, die sich über die ganze Welt niedergelassen hatten und ein grossräumiges Beziehungsnetz bildeten, von besonderer Bedeutung.

Der aufblühende Handel stand in Wechselwirkung mit dem Ausbau der Landwirtschaft in Frankreich und Deutschland. Das einigermassen zur Ruhe gekommene Europa nahm einen Aufschwung in der Agrarproduktion und nahm an Bevöerung massiv zu.

Für die Konsolidierung Europas hatte der Übertritt grosser Bevöerungsgruppen zum Christentum besondere Bedeutung. Im 9. Jahrhundert nahmen die Bulgaren, im 10. die Tschechen, die Dänen, Polen, Russen und Norweger das Christentum an, um die Jahrtausendwende die Ungaren und die Schweden. Der König und Fürst, der zum Christentum übergetreten war, wurde oft heilig gesprochen. So entstand eine Staatengemeinschaft mit durch das Christentum übergreifenden Rechtsgrundsätzen und der Papst gewann politisch an Autorität.

Ausgangspunkt für den Aufstieg des deutschen Königtums war der Sieg über die Ungarn und die hegemoniale Stellung wurde durch die Kaiserkrönung Ottos I. in Rom 962 symbolisiert. Der Anspruch des Papsttums auf das Primat der obersten christlichen Autorität führte zunächst zum Schisma zwischen Rom und Konstantinopel (1054), womit seine Macht auf die römische Kirche begrenzt wurde. Anschliessend kam es zum Auseinandertreten geistlicher und politischer Gewalt mit der Eroberung Roms durch Heinrich den IV. und schliesslich 1122 zum Kompromiss zwischen Kaiser und Papst im sogenannten Wormser Konkordat, nachdem schon zuvor die Konflikt des Papstes mit Frankreich und England beigelegt worden waren.

Italien blieb nach den Jahrhunderten der Stärke des römischen Reiches in der Antike und Spätantike während nahezu 1500 Jahren fragmentiert und in vielen Teilen ein Machtvakuum. Dennoch konnte es sich eine besondere Stellung in Europa bewahren. Gerade die Spannung zwischen politischer Zerrissenheit, deren Zeuge wir bis in die Neuzeit sind, und kultureller Ausstrahlung macht das Besondere der italienischen Geschichte aus (Geiss, 1989, S.202). Über fast anderthalb Jahrtausende gelangen verschiedene Machtfaktoren zum Zug, das Papsttum, die Herrschaft der Städte, sowie bestimmte historische Landschaften wie die Toscana. Dabei verkörpert der Papst in Rom ein Stück ständig sich wandelnder Kontinuität seit der Antike und übt einen immer wieder nicht nur klerikal, sondern auch politisch enormen Einfluss auf das lateinische Europa aus. Als Herr des Kirchenstaates über tausend Jahre (756 bis 1870) besass der Papst auch eine weltlich-materielle Machtgrundlage. Die Mischung aus religiöser Führerschaft und weltlicher Macht war immer wieder die Grundlage zu einer Vorherrschaft im lateinischen Europa seit der Kaiserkrönung Karls des Grossen und Ottos des Grossen in Rom. Rom und Italien konnten sich, trotz aller Zerstörung und Zerfallserscheinung einen zivilisatorischen und kulturellen Vorsprung gegenüber dem übrigen lateinischen Europa bewahren. Vom Ende des 1. Jahrtausends an war Italien auch wichtigstes Wirtschaftszentrum mit dem Fernhandel im Viereck Venedig – Mailand – Florenz – Genua.

Die Vertreibung der Sarazenen im 11. Jahrhundert und der letzten Reste byzantinischer Präsenz in Italien waren die letzten wichtigen Phänomene in einem zweiten und endgültigen Bruch zwischen dem Westen und dem Osten, festgeschrieben durch das Schisma zwischen Rom und Konstantinopel (1054). Die Verbindung der antimuslimischen mit der antibyzantinischen Einstellung Roms und des lateinischen Westeuropas bildet die Grundlage zu den Kreuzzügen, an denen italienische und französische Normannen und Handelsstädte mit ihren Flotten besonderen Anteil hatten.

Ausgangspunkt zum ersten Kreuzzug (1096 - 1099) war die Eroberung Antiochias durch die Seldschuken (1085) und ein Hilferuf von Byzanz in den Westen. Die Schwerpunkte der Kreuzzüge waren unterschiedlich, obwohl Jerusalem das erklärte Ziel war. So richtete sich der vierte Kreuzzug gegen Byzanz, der sechste gegen Ägypten und der siebte gegen Tunis. Die Eroberung Akkos durch die Mamelucken (1291) bedeutete das Ende der Kreuzzüge.


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Kreuzzüge: 11. bis 13. Jh


Die kulturellen, ökonomischen und politischen Rückwirkungen der Kreuzzüge waren enorm, sowohl für den Orient, wie für Europa. Selbst noch in ihrem Scheitern waren die Kreuzzüge so etwas wie eine Generalprobe für die spätere Expansion Europas nach Übersee. Der fran­zösische Ausdruck 'outremer' war zunächst Bezeichnung für das heilige Land jenseits des Mittelmeeres, und wurde später auf die Gebiete jenseits des Atlantiks bezogen. Die Rückeroberung Spaniens von den Muslimen, die Reconquista, findet später ihre Fortsetzung in der Conquista, der Eroberung und Vertilgung der indianischen Bevöerung in Amerika.

In der kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Verbindung zwischen den Kreuzzügen und der europäischen Expansion nach Amerika ist ein ökonomisches Detail von Interesse: Der aus dem Orient stammende Anbau von Zuckerrohr bildete einen wichtigen Eckpfeiler der Wirtschaftswelt. Dieser Anbau folgte zunächst in den eroberten Gebieten um Thyrus (Syrien), und verlagerte sich später nach Zypern und Sizilien. Er bildete die Anfänge der Plantagenwirtschaft, basierend auf Sklaven, die zunächst aus dem Mittelmeerraum kamen. Italiener, Portugiesen und Spanier übertrugen dieses Plantagen- und Ausbeutungssystem später auf die Afrika vorgelagerten Inseln im Atlantik (die Kanarischen Inseln, Madeira, die Azoren), bald mit Sklaven aus Afrika. Mit der Entdeckung Amerikas schliesslich, sprang das Ausbeutungssystem auf die Karibik über.
Die Kreuzzugheere waren aber nicht nur Ort der gewaltsamen Begegnung des Okzidents mit dem Orient, sondern auch ein Schmelztiegel für die unterschiedlichen Teilnehmer dieser kriegerischen Expeditionen. Der gemeinsame heidnische Feind hat wohl entscheidend zur Identitätsbildung Westeuropas beigetragen, so wie in unserem Jahrhundert das Feindbild des kommunistischen Ostens ein gemeinsames Band für die westeuropäischen Staaten war.

Die Übersichtskarte der Kreuzzüge und die Liste im Anhang fassen die konfrontativen Begegnungen zwischen Westen und Osten in der Kreuzzugszeit zusammen. Aus der Begegnung mit den bekämpften orientalischen Heeren, später insbesondere auch mit den Türken, wurden musikalische Traditionen der Rohrblattinstrumente, vor allem in der Militär­musik in den Westen übernommen. Die kurzlebigen Kreuzfahrerstaaten in Palästina, verdeutlichen die intensive Begegnung, die in den Kreuzzügen zwischen dem Orient und dem lateinischen Westen stattgefunden hat.

Ende des 12., anfangs des 13. Jahrhunderts strebte wiederum Frankreich zur ersten Grossmacht Europas auf.
Der Wechsel zwischen Frankreich und Deutschland in der Vormachtstellung im europäischen Westen hat wie gesagt ein Gegenstück im Osten im Machtwechsel zwischen Polen, das dem lateinischen Christentum, und Russland, das der griechisch-orthodoxen Kirche beigetreten war.

Anfangs des 13. Jahrhunderts begleitete die Feldzüge der Mongolen eine der grössten Zerstörungswellen der Geschichte, im Westen bis in die osteuropäischen Länder, im Süden Eurasiens bis nach Mesopotamien und ins nördliche Indien, im Orient nach Südostasien und im Fernen Osten bis über China hinaus. Diese enormen Wanderungen verdeutlichen aber auch einmal mehr den engen Zusammenhang zwischen Asien und Europa, dem Fernen Osten und dem Fernen Westen.

Noch nachhaltiger als die Mongolenzüge wirkte auf den Westen der Aufbau und die Ausweitung des türkischen Osmanenreiches, das im 13. Jahrhundert entsteht und sich im 14. auf die Baanhalbinsel ausdehnt. Adrianopel, das heutige Edirne, wird zur Reichsresidenz. Die Südslawen werden besiegt, Bulgarien wird türkische Provinz und im 15. Jahrhundert wird die Eroberungspolitik gegen Byzanz wieder aufgenommen, Serbien unterworfen, Griechenland besetzt und schliesslich Konstantinopel erobert. Es wird zum kulturellen und politischen Mittelpunkt des nun mächtigsten islamischen Reiches.

Mongolenfeldzüge und der Expansionsdruck der Osmanen, der bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts andauerte, waren wichtige Faktoren bei einer langfristigen Krise Europas ,die von der Jahrtausendwende mehrere hundert Jahre andauerte.

Es ist eine besondere Tragik, dass sich diese Krise immer wieder in fürchterlichen Verfolgungen der jüdischen Gemeinschaften austobte, angefangen von den ersten Judenpogromen am Rhein, über die Ausschreitungen Ende des 14. Jahrhunderts in Spanien, bis hin zu denjenigen in Toledo und dem Wahn der Blutreinheit in der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Schwere Missernten und Hungersnöte anfangs des 14. Jahrhunderts waren gefolgt von der grossen Pestepidemie, die zwischen 1347 und 1351 wütete. Eine wirtschaftliche Umstrukturierung, der Feudalismus alter Prägung wurde durch eine neue Gesellschaft ersetzt, die sich auf das Bürgertum der Städte und die aus der Leibeigenschaft frei gewordenen Bauern stützte.

In dem Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich, dem grössten des mittelalterlichen Europas wurden Verbündete hineingezogen und Erfolgsperioden Englands wechselten mit denen Frankreichs, unterbrochen von der grossen Pest. Erstmals wurden in Europa Weiterentwicklungen der aus dem Osten übernommenen Feuerwaffen im grossen Stil eingesetzt. Steuern und wirtschaftliche Einbrüche zermürbten neben den Kriegsgreueln die Bevöerung.

Zu den schon erwähnten Auseinandersetzungen zwischen dem Papst, sowohl als geistlichem Oberhaupt wie auch als Herrscher in weltlichen Dingen mit absolutem Anspruch und den weltlichen Herrschern kamen heftige inner­kirchliche Spannungen auf. Das Auftreten erster "wirklicher" Ketzer des Westens folgte und das päpstliche Schisma mit je einem Papst in Rom und Avignon zwischen 1378 und 1417, die Verbrennung von Jan Hus als Ketzer auf dem Konstanzer Konzil und die Hussitenkriege, welche die europäische Krise nach Mittel- und Osteuropa trugen. Das Basler Konzil im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts spaltete sich in ein Konzil von Basel und eines von Ferrara, bei Florenz, welches dem Papst gefügig war und die Macht des Papsttums bestätigte, womit Reformbestrebungen hinausgeschoben wurden, die schliesslich zur Reformation führten.

Am Ende dieser Periode, noch im auslaufenden Spätmittelalter begann die Expansion Europas nach Übersee. Der wachsende Bedarf an Gold und Geldmitteln, mit dem zunehmenden Konkurrenzdruck durch das Osmanische Reich, liess Wege suchen, um den interkontinentalen Fernhandel vom Westen aus zu kontrollieren. Die Pionierrolle hatte Portugal, das zunächst zusammen mit Genua 1415 im Hinblick auf den Goldhandel über die Sahara Ceuta eroberte, entlang der Westküste Afrikas expandierte und Madeira entdeckte, afrikanische Sklaven impor­tierte, die Goldküste und schliesslich das Kap der guten Hoffnung erreichte. So war es auch kein Zufall, dass Kolumbus zunächst in portugiesischen Diensten stand, bevor er in die kastilischen wechselte und 1492 in Amerika landete. Wenige Jahre später, 1498, landete der Portugiese Vasco da Gama an der Westküste Indiens nachdem zuvor ein päpstlicher Schiedsspruch im Vertrag von Torde Sillas 1494 die Welt in zwei Teile geteilt und für den einen Spanien, für den anderen Portugal als zuständig erklärt hatte.

Mit den Landungen von Europäern in Amerika und in Indien war das bis dahin in vielfältigen Krisen dahinlebende Europa in die Mitte der Welt zwischen den neu entdeckten Ländern in Übersee und den auf dem Seeweg wiederentdeckten im Fernen Orient gerückt.

Diese mehrere hundert Jahre dauernde Periode ist auch die Zeit der Ausbreitung der Schalmeiinstrumente über Mittel- und Nordeuropa; mit den Kolonisatoren kamen sie nach Mittel- und Südamerika. Bei den Osmanen lernten Europäer sie als Instrument der Militärkapelle in der Kerntruppe der Janitscharen kennen; auch auf den Schiffsreisen nach Indien fanden zweifellos musikkulturelle Kontakte statt.

Die Geschichte der Ausbreitung und der musikalischen Begegnungen ist im einzelnen nicht bekannt. Jedoch ist einiges über die Menschen erforscht worden, welche die Musik verbreiteten, die fahrenden Sänger, Musikanten und Spielleuten aller Art.(z. Bsp. Salmen, 1988), die von Instrumenten, und darunter auch von der Schalmei, begleitet wurden.


III.11.3 Totentanz und Teufelswerk

Als Einblick in die Mentalität des Mittelalters und der frühen Neuzeit und als Information über den Spielmann und sein Instrument aufschlussreich, sind Totentanzdarstellungen des Mittelalters. Tod und Spielmann haben beide magische Gewalt über diejenigen, die ihnen folgen müssen, wie dies in der Geschichte vom Rattenfänger von Hammeln überliefert ist.

Totentanzdarstellungen können aus Text und Bildern gleichzeitig bestehen, oder aber aus einer Bildfolge oder literarischen Quelle allein. Wie verbreitet das Totentanzmotiv und seine Darstellung im Europa des ausgehenden Mittelalters war, zeigt die Zusammenstellung, der von Hammerstein (1980) beschriebenen Text- und Bilddokumente (vgl. Anhang).

Der Tod macht die Musik, nach der die von ihm bestimmten Menschen tanzen müssen. Im ältesten erhaltenen Totentanz, einer in Heidelberg aufbewahrten Handschrift aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die in Augsburg geschrieben wurde und deren Entstehung im Würzburger Raum Ende des 14. Jahrhunderts gesehen wird, heisst es in der
lateinischen Fassung:Cod. pal. germ. 314 (Nr. 1)

Tempus namque brevi vivendi, postea vae vae
Mors geminata parit, sua nulli vis quoque parci.
Fistula tartarea vos iungit in una chorea,
Qua licet inviti saliunt ut stulti periti.
Haec ut pictura docet exemplique figura.
Der schon im Original übersetzte, deutsche Text, der weniger prägnant ist, lautet:
Wan die zeit ist kurz an diesem leben,
Darnach wird ach und we gegeben
Durch den zwifachen tod,
der über niemand erbermd hat.
Mit seiner hellischen pfeifen schreien
Bringt er euch all an einen reien,
Daran die weisen als die narren
Gezwungen in den sprüngen faren,
Als des gemeldes figuren
Sind sie ein ebenbild zu truren.
(Hammerstein, 1980, S. 31)

Die im lateinischen Text erwähnte Chorea, der Veitstanz, wird durch die Fistula Tartaria ausge­löst, die "Hellischen Pfeiffen". Dem Chorherren gilt der folgende Vers (ebd., S. 35):
Canonicus (Chorherr)
In choro cantavi melodias, quas adamavi.
Discrepat iste sonus et mortis fistulae tonus.
(Her korpfaff, habt ir gesungen vor
Süssen gesang in euerm kor,
So merket auf meiner pfeifen schal,
Die verkündet euch des todes fal.)
Ich han als ein korher frei
Gesungen manch lieblich melodei.
Des todes pfeif stet dem nit gleich;
Sie hat gar ser erschrecket mich.

Hier ist von der Todespfeife, der Fistula mortis, die Rede. Wie aus einer anderen Stelle hervor­geht, ist es der besondere und als dissonant empfundene Klang der Schalmei, der diese zum Todesinstrument macht.

Die Fistula des Mittelalters, worunter im Kontext mit dem Totentanz wohl in der Regel die Schalmei zu verstehen ist, wird verschieden charakterisiert, als schrecklich, als traurig, als betrügerisch oder lügnerisch, weil sie zu einem Tanze aufspielt, der kein Vergnügen, sondern der Gang in den Tod ist.

Mit der Ausbreitung des Totentanzmotives werden verschiedene Instrumente integriert. Zunächst die Trommel, welche mit der Schalmei verbunden ist. Hierzu gibt es besonders eindrucksvolle Dokumente, welche Spieler zeigen, die mit einer Hand die Schalmei blasen, mit der anderen Hand die Trommel schlagen. Diese Spielpraxis hat sich vereinzelt bis heute erhalten und gehört auch zur Einhandflöte, die in Südfrankreich und Spanien vorkommt, wo sie auch den Namen Ghaita (Leal & Cebrián, 1989) trägt, der sonst entweder die Schalmei oder den Dudelsack bezeichnet. Andere Instrumente sind der Dudelsack und das Horn, das, wie das hebräische Schofar, am Tage des Jüngsten Gerichts bläst. Auch unter "Horn" können verschiedene Instrumente subsummiert werden.

Später findet man auch die Leier, Schellen, Triangel, Fidel und ganz allgemein das Saitenspiel. Dieses verdrängt schliesslich die Schalmei. Im Bleibacher Totentanz von 1723 spielt der Tod die Geige und holt den Spielmann, seinen weltlichen Kollegen, mit den Worten:

Mit deiner schallmeyen thue jetzt schweigen,
Ein hopper tantz dir jch will geigen.
Ja unser spill wär gar nit gantz,
Wan du nit wärest bey unserem tantz.
(Hammerstein, 1974, S. 240)

Besonders eindrucksvolle und deutliche Darstellungen der Schalmei als Instrument aus der jenseitigen Welt der Toten sowie des Todes als Spielmann, befinden sich im Totentanz von Bern, wo mit der Schalmei dem König aufgespielt wird, in der Beinhausmusik des Jesuitenkollegs von Luzern und in den Grossbasler Totentänzen.

Der für die Schalmeigeschichte am meisten zählende Begriff des Mittelalters ist Fistula (Röhre), der sich mit dem ebenfalls gebräuchlichen Begriff Tibia überschneidet und verschiedene Blasinstrumente, Flöten aller Art, verschiedene Schalmeien, ebenso Blaterspiel und Dudelsack, gelegentlich auch der Zink umfasst. Die Instrumente wurden offenbar als verwandt empfunden. Diese Verwandtschaft hat verschiedene Elemente: Die Gelegenheiten, bei denen auf ihnen gespielt wurde, die stimulierende Wirkung, die von ihnen ausging und die ausgesprochene Ablehnung durch die kirchlichen Würdenträger und weltliche Obrigkeit.


Guatemala-_Maske.jpg
Maske aus Guatemala


In der Klassifikation von Sebastian Virdung von 1511 werden drei Gruppen von Blasinstrumenten unterschie­den: Schalmei, Schwegel (Querpfeiffe), Krummhorn, Gemshorn, Zink, Blaterspiel, Dudelsack bilden die eine, Orgel, Positiv, Ortativ, Regal, sowie Posaune, Feldtrompete, Clareta und ?horn die beiden anderen. Verbreitet ist die Bezeichnung Fistula auch für die Orgelpfeife, hat doch die Orgel im Laufe der Jahrhunderte die Funktionen der Schalmei und der Flöte in bestimmtem Kontext übernommen. Aber die Orgel steht, im Gegensatz zu den anderen genannten Instrumenten, im Kontext der anerkannten Kunst, der Ars Musica, die bestimmten Regeln und musikalischen Gesetzen untersteht, und gehört nicht zur unberechenbaren, aufmüpfigen, verfemten Spielmannswelt.

Fistula, und seltener Tibia, wurden häufig in Zusammenhang mit dem Teufel und der Hölle genannt, sie gehören auch zum Götzendienst. Schon für einen der frühen Kirchenväter, Epiphanius von Zypern (gest. 403) war die Schalmei auch Symbol der Schlange, durch die der Teufel spricht. Zu dieser Symbolbedeutung mag auch die phallische Form der Instrumentes beigetragen haben. Der gleiche Autor stösst sich auch an den Bewegungen der Spieler, die, bald nach oben, bald nach unten gerichtet sei und an die verdrehten und unschönen Bewegungen des Teufels erinnere. Es sind die gleichen Bewegungen, wie sie noch heute bei Schalmeispielern beobachtet werden können, aber auch bei Klarinettisten und Saxophonisten des Jazz.

Auf verschiedenen mittelalterlichen Darstellungen der Höllenfahrt, der Hölle und des Teufels sind Schalmeiinstrumente in zentraler Stellung abgebildet. Im Gebetbuch der heiligen Hildegard von Bingen vom Ende des 12. Jahrhunderts kommen schalmeiartige Gebilde mit Teufelsköpfen aus dem Mund der Geizigen. Die Teufel des Trippelpsalter von Canterbury, Anfang des 14. Jahrhunderts, spielen zwei Oboeninstrumente, wie sie heute noch in Guatemala hergestellt werden und in Gebrauch sind, und deren Form auf der Iberischen Halbinsel beheimatet ist.

Ein deutscher Holzschnitt des Teufels und der sieben Todsünden aus dem späten 15. Jahrhundert zeigt den Teufel, der mit einer Hand Schalmei spielt und mit der anderen die kleine Trommel schlägt. Das deutlich sichtbare Mundstück zeigt ein grosses Rohrblatt nach Art der Meyinstrumente. Auch auf der Überfahrt in die Hölle des Königs Dagobert von Saint Denis (um 1265) ist Schalmei und Einhandtrommel die Begleitmusik. (Hammerstein, 1974)

Die Verteufelung hat sich von der Musik und vom Instrument auf die Spielleute, sowie jene, die ihnen zuhörten, sich von ihnen unterhalten liessen oder sie unterstützten, übertragen. So werden in einer Wiener Predigt des 15. Jahrhunderts die an einem Tanz teilnehmenden Leute, die Musikanten und der Tanzplatz als eine Art Satanskirche beschrieben. (Hammerstein, 1974, S. 51). (Irsigler & Lassotta, 1990).

Diese Verteufelung steht in der Tradition der äusserst zwiespältigen Haltung der Gesellschaft denjenigen Gegenüber, welche an die heftigen Gefühle zu rühren vermögen und mit ihrer Musik unterwegs sind. Zudem sind diese Musikanten, Wanderunterhalter oder Fahrenden oft ungebundenere Menschen, die, verglichen mit sogenannt "braven" Bürgern, sich nicht in ein Schema pressen, nicht integrieren lassen und dadurch beunruhigen. An sie wird aber auch die Sehnsucht des gebundenen Menschen nach Freiheit, nach seelischer und physischer Beweg­lichkeit delegiert, welche die eigene Seele des Sesshaften beunruhigt. Diese Doppelhaltung, von Faszination und Angst gekennzeichnet, drückt sich in romantischer Verklärung oder mörderi­schem Hass aus, wobei das eine oft rasch in das andere umschlägt. Grausame Verfolgungen und Ausrottungen waren, wie im nächsten Kapitel in Erinnerung gerufen wird, die Folge.


III.11.4 Anhänge

III.11.4.1 Daten zu Spanien und Islam
[stark gekürzt nach Burckhardt (1970)]

Daten zur Geschichte des maurischen Spaniens
Vergleichsdaten zur Geschichte des christlichen Europas
711
n. u. Z.
Tarik* Ibn Ziyad* fällt mit einem Heer von Berbern in Spanien ein

714

Karl Martell tritt als Hausmeier der Merowinger die Herrschaft über die Franken an
718
Erster Aufstand der Christen in Asturien
Konstantinopel wird von den Arabern belagert
719
Einnahme von Narbonne durch die Moslemen

730

Das byzantinische Kaisertum und das Papsttum entzweien sich infolge des Bilderstreites
732

Karl Martell schlägt die Moslemen bei Tours und Poitiers
740
Berberaufstand in Spanien

742
Ein syrisches Heer wird durch einen Berberauf­stand in Nordafrika gezwungen, nach Spanien zu übersetzen und lässt sich dort nieder

747

Pippin III. wird König der Franken
750
Untergang des omaijadischen Kalifats im Osten und Aufstieg der Abbasiden

755
Abd ar-Rahman* I., der Omaijade, landet in Spanien

778

Karl der Grosse, Herrscher der Franken belagert Zaragoza
785
Abd ar-Rahman* I. kauft den Christen die Kathedrale von Córdoba ab, um an ihrer Stelle die grosse Moschee zu bauen

788
Tod Abd ar-Rahmans* I. Sein Sohn Hisham* I. folgt ihm nach

793
Arabereinfall in Narbonne

796
Tod Hishams* I. Nachfolger al-Hakam* I.

800

Karl der Grosse wird Kaiser
801

Die Franken nehmen Barcelona ein und gründen die katalanische Mark
808
Gründung von Fes (Marokko) durch Idris II.

814

Tod Karls des Grossen
817
Aufstand in Córdoba, Auswanderung eines Teils der Bevöerung nach Fes

978
Gründung der Verwaltungsstadt Medinat az-Zahara* bei Córdoba

982

Otto II. erleidet bei Tarent eine Niederlage durch die fatimidischen Araber
985-88
Feldzüge al-Mansurs* gegen Katalonien und den christlichen Norden

987-88
Erweiterung der grossen Moschee von Córdoba durch al-Mansur*

995

Otto III.
997
Al Mansur* nimmt Santiago de Compostela ein

1002
Tod al Mansurs*

1016
Einnahme von Córdoba durch den Berberführer Ali Ibn Hammud*

1017

Beginn der burgundischen Kreuzzüge nach Spanien
1017-23
Aufeinanderfolgende Regierungen verschiedener Prinzen der Omaijaden und Aufstände der Söldnerheere

1020
Vermutliches Geburtsdatum des jüdischen Philosophen Salomon Ibn Gabirol (Avicebron)

1024

Konrad II.
1026

Sancho III., der Grosse, erobert Kastilien und macht es zum Königreich
1030
Ende des spanischen Kalifats

1035

Ferdinand I. von Kastilien erobert León Berengar I. von Katalonien
1039
Beginn der Herrschaft der Banu Hud* in Zaragoza
Heinrich III.
1045

Geburt des Cid
1056

Heinrich IV.
1058
Vermutliches Todesdatum von Salomon Ibn Gabirol

1063
Gründung von Marrakesch durch die Almovariden
Ferdinand I. erobert Coimbra
1064

Die französischen Normannen erobern Barbastro
1065

Tod Ferdinands I. und Aufteilung seines Reiches
1072

Alfons VI. tritt nach Ermordung seines Bruders Sancho die Herrschaft von León, Kastilien und Portugal an
1080
Erbauung der Aljafería in Zaragoza

1085
Einnahme von Toledo durch Alfons VI.
Alfons VI. erklärt sich in Toledo zum Kaiser von ganz Spanien
1086
Ankunft der Almobariden in Spanien und Sieg von az-Zallaka*
Niederlage Alfons VI. bei Sagrajas
1090
Dritte Landung der Almovariden in Spanien. Absetzung des Königs von Granada

1091
Einnahme von Valencia durch den Cid

1095

Verkündigung des ersten Kreuzzuges durch Papst Urban II.
1099
Tod des Cid in Valencia

1100

Jerusalem Hauptstadt eines fränkischen Königreiches
1109

Tod Alfons VI.
1111
Die Almovariden erobern Santarem, Badajoz, Porto, Evoza und Lissabon

1115

Der heilige Berhard gründet das Kloster von Clairvaux
1118

Ein christliches Heer erobert Zaragoza
1121
Beginn des Aufstandes der Almohaden in Marokko
Gründung des Ordens der Tempelritter
1126
Geburt von Ibn Rushd (Averroes)
Krönung Alfons VII. in León
1126-54

Erste "Übersetzerschule" in Toledo unter Erzbischof Raimund
1133-54

Roger II. von Sizilien beruft arabische Gelehrte an seinen Hof
1135
Geburt von Maimonides in Córdoba

1137

Vereinigung Kataloniens mit Aragón
1139

Portugal wird unabhängig
1143

Lateinische Übersetzung des Korans
1144

Chorweihe der Abteikirche von St. Denis, der ersten "gotischen"Kirche
1145
Ende der almoravidischen Herrschaft in Spanien

1146
Die Almohaden in Fes
Bernhard von Clairvaux fordert zum zweiten Kreuzzug auf
1147
Die Almohaden erobern Sevilla
Alfons von Portugal erobert Santarem und Lissabon
1148

Raimund Berengar IV. erobert Lerida, Fraga und Tortosa
1152

Friedrich I. Barbarossa
1153

Gründung des spanischen Ritterordens von Calatrava
1157
Die Almohaden nehmen Granada und Almería ein

1158

Alfons VIII. von Kastilien
1166

Gründung des spanischen Ritterordens von Santiago
1167
Bau der grossen Moschee in Sevilla
Gründung der Universität von Oxford
1182

Geburt Franz von Assisis
1187

Fall des christlichen Königreiches von Jerusalem
1195
Sieg von Alarcos über Alfons VIII.
Papst Innozenz III. ruft zum Kreuzzug gegen die Moslemen in Spanien auf
1198
Tod von Ibn Rushd (Averroes)

1200

Hauptbau der Kathedrale von Chartres begonnen
1204
Tod von Maimonides

1212
Niederlage der Almohaden bei las Navas de Tolosa

1214

Tod Alfons VIII.
1215

Gründung der Universität von Salamanca
1217
Aufstand von Ibn Hud* im Osten Spaniens
Ferdinand III., der Heilige, von Kastilien
1218

Gründung des spanischen Ritterordens von Alcántara
1226

Tod des heiligen Franz von Assisi
1226

Ludwig IX. der Heilige
1230/31
Ende der almohadischen Herrschaft in Spanien

1236

Einnahme von Córdoba durch Ferdinand III. von Kastilien
1238
Einnahme von Granada durch den Nasriden Muhammad Ibn Ahmar*
Einnahme von Valencia durch Jaime I. von Aragón
1225-50

Friedrich II. pflegt an seinem Hof in Sizilien die arabischen Wissenschaften
1240
Muhyi-d-din Ibn Arabi* stirbt in Damaskus

1248

Ferdinand III. nimmt Sevilla ein
1248-54

Erster Kreuzzug Ludwigs des Heiligen
1248

Gründung der Universität von Köln
1252

Tod Ferdinands III. Nachfolger Alfons X., der Weise
1254

Alfons der Weise gründet die neue "Übersetzerschule" von Toledo
1256

Roger Bacon Lehrer in Oxford
1265

Geburt Dante Alighieris
1270

Ludwig der Heilige stirbt bei der Belagerung von Tunis
1280

Tod des Albertus Magnus
1284

Tod Alfons des Weisen
1310
Der Nasride Ismaíl Herrscher von Granada

1321

Tod Dantes
1332
Geburt Abd ar-Rahman Ibn Khalduns* in Tunis

1333
Der Nasride Yusuf* I. Herrscher in Granada

1340
Niederlage der Moslems am Rio Salado

1349
Bau einer Hochschule in Granada
Peter der Grausame Herrscher in Sevilla
1364

Bau der Fassade des Alcázars von Sevilla durch granadische Handwerker
1415

Eroberung von Ceuta durch Johannes I. von Portugal
1479

Vereinigung von Kastilien und Aragón
1492
Einnahme Granadas durch die "Katholischen Könige"
Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus
1501

Zwangsbekehrung der Morisken
1529

Die Türken belagern Wien
1568

Aufstand der Morisken in der Alpujarra
1609

Austreibung der Morisken aus Spanien

III.11.4.2 Rohrblattinstrumente in den "Cantigas de Santa Maria"
[nach Becker, (1966) S. 173/174]

Als wichtige zeitgenössische Quelle für das Instrumentarium des Mittelalters gelten die Abbildungen der Miniaturen des Kodex Escorial, welcher die berühmten Cantigas de Santa Maria enthält. Die Handschrift entstand auf Anregung Ferdinand III. und Alfons X. im 13. Jahrhundert in den Palästen Toledos und Sevillas. Sie enthal­ten neben Lobgesängen auf die Jungfrau Maria auch Erzählungen aus dem Leben König Alfons' und gewähren daher einen Einblick in das Leben des spanischen Hofes. Auf den Miniaturen sind dreissig verschiedene Instrumente abgebildet. Aus Rechnungsbelegen geht hervor, dass Ende des 13. Jahrhunderts 27 Musiker im Dienst des kastilischen Hofes standen, darunter dreizehn Mauren, ein Jude und zwölf Christen. Unter diesen Instrumenten befinden sich zwölf verschiedene Rohrblattinstrumente, die Heinz Becker folgendermassen zusammengestellt hat.
1. Das Albogon, ein grosses Rohrblattinstrument mit konisch verlaufender Spielröhre und breit ausladendem, kunstvoll getriebenen Metallbecher, der farblich durch Goldtönung von der Spielröhre abgesetzt ist. Auch der Aufsatz der eigentlichen Spielröhre scheint aus Metall gearbeitet oder wenigstens mit Metall verkleidet zu sein. Das Instrument weist mindestens fünf Bohrlöcher auf.
2. Gegenschlagglottophon (Schalmei) mit schlankem Tubus und birnenförmiger Verdickung am Oberende und birnenförmiger Stürze. Das Instrument wirkt hantelartig. Die Lippenscheibe ist farblich abgesetzt.
3. Ein Gegenschlagglottophon wie unter 2., aber ohne Verdickung des oberen Endes; auch die Stürze ist etwas anders gearbeitet. Der durch Querstrich unterteilte Tubus hat vier Grifflöcher.
4. Ein schlankerer Typ des unter 3. genannten Instruments ohne Tubusunterteilung und mit kleinerer Stürze.
5. Das Platerspiel mit gedoppelter Spielröhre und gerader Stürze an der rechten bzw. an der linken Spielröhre. Die Blase ist offensichtlich verziert, Grifflöcher sind nicht zu erkennen.
6. Das Platerspiel mit einfacher Spielröhre und weit ausladender, kreisförmig gebogener metallener Stürze.
7. Die Sackpfeife mit gedoppelter Spielröhre, davon ein Bordun, wobei die Melodieröhre fünf, die Bordunröhre ein Griffloch erkennen lassen.
8. Die Sackpfeife mit einfacher, leicht konisch verlaufender Spielröhre und langem, konisch auslaufenden, nach unten abgewinkelten Schalltrichter, Grifflöcher sind nicht sichtbar, ein Bordun fehlt.
9. Die Sackpfeife mit ungleich langen gedoppelten Melodieröhren und zwei gedoppelten Stimmern (getrennt angebrachte Bordunröhren), insgesamt also sechs Spielröhren. Die Stimmer haben vermutlich lange gerade Schallbecher.
10. Ein verbunden-gedoppeltes Aufschlagzungeninstrument mit fünf gleichständigen Bohrlöchern auf schlanken Tuben (Bambus?). Das Instrument hat keine Schallbecher und ist mit einem halbkreisförmig geschnittenen Tuch geschmückt, das wie ein Fanfarentuch angebracht ist. Die spanische Bezeichnung lautet vermutlich Albogue.
11. Die Tripelschalmei mit verschieden langen Spielröhren in der Anordnung der sardinischen Launeddas. Der Abbildung nach scheinen sie aber nicht getrennt, sondern verbunden gehalten zu werden. Das Instrument weist keine Schallbecher auf, dagegen sind mehrere Ansatzstücke zu unterscheiden.
12. Getrennt-gedoppelte Rohrblattinstrumente, bei denen jede Spielröhre mit konisch auslaufender gerader Stürze versehen ist. Deutlich sind die ausgearbeiteten Wülste zu erkennen. Die Miniatur zeigt zwei Spieler frontal, die ihre Instrumente unterschiedlich winkeln. Die Hände greifen ziemlich genau auf der Mitte der Spielröhren.
Auffallend in dieser Liste ist die grosse Bedeutung der Sackpfeifen, d.h. der dudelsackähnlichen Instrumente, zu denen Becker bemerkt, dass sie nach heutiger Kenntnis schon im Altertum den Weg aus dem südwestlichen Asien nach Europa gefunden hätten. Hier ist daran zu erinnern, dass die Spielröhren des Dudelsacks Schalmeien sind, die statt mit dem Dudelsack mit dem Mund angeblasen werden können. Der Dudelsack ersetzt die schwierige Technik der Zirkuläratmung. Die gleiche Funktion erfüllt die Blase zwischen Ansatz und Instrument, die beim "Platerspiel" (siehe dort) eingesetzt wird.


III.11.4.3 Kreuzzüge (1095/96-1291) und verwandte Unternehmen (1063-1444)
[nach Geiss (1989), S. 500f]
Datum
Kreuzzug
Anlass
Hauptträger
Hauptziel
Ergebnis / Folgen

1063 - 1492
n. u. Z.
Reconquista
Ermordung des Königs von Aragon durch Muslim
Kastilien / Aragon / Navarra / Portugal
Befreiung der Iberischen Halbinsel von Mauren
Nationalmonarchien Por­tugal, Spanien: Vertrei­bung der Juden (1492); Expansion in Übersee

1095 - 96
Kreuzzug der Armen
Aufruf zum Kreuzzug
Unterschichten
Heiliges Land
Judenmassaker in Rheinstädten (1095)

1096 - 99
1. Kreuzzug
Eroberung Jeru­salems (1077), Antiochas (1085) durch Seldschuken
Papst; norman­nische Ritter und Fürsten Frankreichs und Unteritaliens
Befreiung des Heiligen Landes
Kreuzfahrerstaaten (1098-1291), vor allem König­reich Jerusalem (bis 1187/1244)

1147 - 49
2. Kreuzzug
Eroberung Edessas durch Seldschuken (1144)
Könige von Frankreich, Deutschland
Jerusalem
Gescheitert vor Damaskus

1147
"Wenden­kreuzzug"
2. Kreuzzug
Sächsische Fürsten
Wenden
Förderung der militä­rischen Expansion im Rahmen der deutschen Ostkolonisation

1189 - 92
3. Kreuzzug
Niederlage am Hattin: Erobe­rung Jerusalems durch Saladin (1187)
Kaiser; Könige von England, Frankreich
Jerusalem, Akkon
Akkon, Zypern erobert (1191); Deutscher Ritterorden (1190/98)

1202 - 04
4. Kreuzzug
Proklamation durch Papst Innozenz III. (1198)
Venedig, französische Ritter und Fürsten
Konstanti­nopel (1204)
Niederlage für Orthodoxie: Lateinisches Kaiserreich (1304-61); Venedigs See­herrschaft im östlichen Mittelmeer

1209 - 29
Albigen­serkriege
Albigenser
Frankreich
Toulouse, Albi
Provence erstmals zu Frankreich

1212
Kinder­kreuzzug

Kinder aus Rhein­land und Teilen Frankreichs
Heiliges Land


1227 - 29
5. Kreuzzug
4. Lateranonzil (1215)
Kaiser Friedrich II.
Heiliges Land
Heilige Stätten durch Ver­handlungen geteilt, mit Zugang für alle (bis 1244)

1234
"Kreuzzug gegen Stedinger Bauern
Konflikt Erzbischof Bremen-Stedinger
Erzbischof von Bremen
Stedinger Land
Autonomie der Stedinger vernichtet

1248 - 50
6. Kreuzzug
Eroberung Jerusalems durch Turkmenen für Aijubiden (1244)
Ludwig IX.
Ägypten (Fernhandel über Alexandria)
Sturz der Aijubiden: Mamlukenherrschaft in Ägypten (1250-1517); Ludwig IX. gefangen in Ägypten (1250): Regie­rungsaufenthalt im Hei­ligen Land (1250-54): Besonderes Interesse Frankreichs an "Outremer" und Heiligen Stätten

1255
"Heiden­kreuzzug"

Deutscher Orden, Ottokar II. von Böhmen
Pruzzen
Gründung Königsbergs

1250
7. Kreuzzug
Eroberung Anti­ochias durch Mamluken (1268)
Ludwig IX. von Frankreich
Tunis


1291 Mamluken erobern Akkon: Ende der Kreuzfahrerstaaten (seit 1098) und der eigentlichen Kreuzzüge (seit 1096)
1396
Heereszug nach Kon­stantionopel
Druck der Osmanen auf Byzanz
König Sigismund von Ungarn
Entlastung Konstanti­nopels
Gescheitert durch Nieder­lage bei Nikopolis gegen Osmanen

1415
Eroberung ("Conqui­sta") Ceutas durch Por­tugiesen

Portugal, Prinz Heinrich (der Seefahrer)
Ceuta
Kenntnisse über Goldhandel der Sahara: Expansion Portugals in Übersee

1420-36
Hussiten­kriege
Hussiten­bewegung
Kaiser und Reich
Vernichtung der Hussiten
Hussiten niedergeworfen: Prager/Iglauer Kopaktaten (1433/36) Böhmische Nationairche

1444
Heereszug nach Kon­stantinopel
Druck der Osmanen auf Byzanz
Könige von Ungarn und Polen
Entlastung Konstanti­nopels
Gescheitert durch Nieder­lage bei Warna: Fall Konstantinopels (1453)



III.11.4.4 Totentänze mit Schalmeidarstellungen

[nach Hammerstein (1980), S. 148ff]
Cod. pal. (1350, 1443/47)
Handschrift Gossembrot (1438/1480)
Dresden (1534/37, 1737)
Der oberdeutsche Totentanztext (1430)
Münchener Blockbuch (1480)
Lübeck - Reval (1466, 1588, 1700)
Berlin (1458, Restaurationen:1861, 1955/58)
Lübecker Druck (1520)
Ulm (1440)
Spanischer Totentanz (1400)
La Chaise-Dieu (1410/20, Restauration: 16. Jh.)
Kermaria (1430)
Kernaskleden (15. Jh.)
Simon Marmion (1455/59)
Paris, SS. Innocents (1424/25)
London (1430)
Marchant-Druck I (1485)
Marchant-Druck II (1486)
Vérard-Druck (1485)
Vérard-Bilderbogen (1490)
Trepperel/Jehannot-Druck (um 1500)
Meslay-le-Grenet (1490)
La Ferté-Loupière (um 1500)
Totentanzbilder in Stundenbüchern (um 1480)
Pariser Handschrift des Männer- und Frauentotentanzes (um 1483)
Pariser Handschrift des Frauentotentanz (1491)
Marchant-Druck des Frauentotentanzes (1486/91)
Paris, SS. Innocents, Gewölbefresken (Ende 14. Jh.)
Jehan Petit-Druck (1491)
Danse-macabre-Druck Lyon (1499)
Danse-macabre-Druck Troyes (1528)
Danse-macabre-Druck Troyes (1531)
Danse macabre-Druck Paris (1533)
Grossbasel (1445, 1568, 1616, 1658, 1703)
Kleinbasel (15. Jh.)
Heidelberger Blockbuch (1465)
Metnitz (um 1500)
Wil (16. Jh.)
Beram (um 1474)
Hrastovlje (1490, Restauration: nach1950)
Clusone (um 1485)
Carisolo (1519)
Pinzolo (1539)
Westfälischer Totentanzbilderbogen (um 1460)
Handschrift Kassel (um 1470)
Knoblochtzer-Druck (um 1485)
Handschrift Zimmern (um 1520)
Kientzheim (um 1517)
Bern (1516/7-1519/20)
Holbein (vor 1526, 1545, 1562)
Füssen (um 1600)
Luzern, Jesuitenkolleg (um1615)
Luzern, Spreuerbrücke (um 1630)
Wolhusen (um 1661, Restauration:1957)
Emmeten (ca. 1710)
Bleibach (1723, 1907/8, 1963)
Schedel, Weltchronik (1493)